Harald Saettler

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Den Druck der Wirtschaftlichkeit als Feind

Antike Möbel faszinieren Harald Sättler – er erweckt sie mit alten Verfahren und Techniken zu neuem Leben

Antike Möbel erzählen Geschichten – und diese Geschichten faszinieren Harald Sättler. Die Patina, die Gebrauchsspuren, erzählen von den Benutzern, das Holz und die Konstruktion von dem Handwerker, der Generationen zuvor das Möbel baute. Seit nunmehr 17 Jahren arbeitet der gebürtige Fränkisch-Crumbacher an historischen Möbelstücken, stellt Verfallenes wieder her und lässt die alten Stücke in neuem Glanz erstrahlen. Dabei hält er sich streng an überlieferte Verfahren, die antiken Objekte werden exakt so restauriert, wie die Schreiner sie Jahrhunderte zuvor herstellten.
Harald Sättler hat weder Kunstgeschichte noch die Restaurierung studiert, sein Wissen darum erarbeitete er sich selbst. Nach der Schule wollte er etwas Künstlerisches, Gestalterisches machen, aber ein Studium lag nicht in seinem Interessenbereich. Im Heimatort fand er eine Möglichkeit und lernte im Traditionsbetrieb von Helmut Ader den Beruf des Holzbildhauers. Dort arbeitete er einige Jahre, hätte den Betrieb übernehmen können – „aber davon kann man nicht leben“.
Ein Holzbildhauer-Kollege brachte Harald Sättler die Antiquitäten nahe – und die Liebe zum alten Möbel war geweckt. Das Design der früheren Zeit, die gestalterischen Elemente und die Ausdrucksstärke der Möbel begeisterte den jungen Mann. Besonders die Oberfläche, der warme Glanz des Schellacks, hatte es ihm angetan. Autodidaktisch brachte er sich das Wesentliche bei. Mit Schellack, Alkohol und einen Stoffballen probierte er so lange aus, bis er die Technik beherrschte. Unzählige Bücher zum Thema verschlang er und nutze jede Gelegenheit, mit alten Polierern und Restauratoren zu fachsimpeln.
In den vergangenen 17 Jahren arbeitete Harald Sättler immer freiberuflich, ob für Restaurierungsbetriebe, Privatkunden oder auch für Museen. Sein Faible für formschöne Stühle brachte ihn mit dem Thonet-Museum in Frankenberg zusammen. Sowohl für das Museum als auch für die Designer-Familie arbeitete der Odenwälder einige Objekte auf. Mit seinen alten Techniken vertrat er schon zwei Mal zum internationalen Museumstag die Museumswerkstatt auf Schoß Philippsruhe in Hanau. Auch die Fachpresse wurde auf ihn aufmerksam, was sich mit drei Empfehlungen in Folge im Magazin „Weltkunst“ niederschlug.
Seit zwei Jahren arbeitet der inzwischen 42-Jährige in seiner eigenen Werkstatt in der alten Koziol-Fabrik in Michelstadt – ein Ein-Mann-Betrieb. Privatkunden kaufen bei ihm fertige Möbel, lassen sich vorhandene restaurieren oder kaufen in der Werkstatt unrestaurierte Stücke. Wichtig für den Fachmann: Die Besitzer der Möbel sollen am Restaurierungsvorgang teilhaben, das Wiederentstehen, die Renaissance miterleben. Der Auftrag endet mit dem Aufstellen des guten Stückes an seinem vorgesehenen Platz – selbst wenn dieser Hunderte von Kilometer weit entfernt ist.
So interessant die Geschichten der alten Möbel auch sind, es liegt darin doch auch die Tücke der Objekte. Der zu zahlende Preis wird im Vorfeld fest vereinbart, aber die entsprechende Stundenzahl reicht selten aus. Viele unvorhersehbare Probleme tauchen erst auf, wenn das Möbel zerlegt ist. Da braucht es mal ein Stunde, bis eine festsitzende Schraube der Mechanik gelöst ist. Oder die Spuren vorausgegangener, unsachgemäßer Restaurierung: Ein falscher Lack auf der Originaloberfläche und alles muss mit Alkohol abgewaschen werden. Das kostet Zeit und sorgt dafür, dass ein Arbeitstag meist 16 bis 18 Stunden dauert und die Kunden dennoch oft warten müssen.
Natürlich könnte es Harald Sättler auch einfacher haben. Mit moderner Technik und Sprühlack lassen sich alte Möbel auch aufbereiten. Aber: „Das ist Frevel! Bei mir kommt kein künstlicher Lack auf alte Möbel!“, echauffiert sich der Spezialist. Außerdem: Der Effekt einer Schellackoberfläche, die mühsam in vielen Stunden von Hand aufgetragen wird, lässt sich mit Kunstharzlacken nicht erzielen. „Die Tiefenwirkung, die Maserungen des Holzes wie ein Relief erscheinen lässt, hat nur der Schellack – bei Kunstharz wirkt das Holz wie weggesperrt“.
„Der Erhalt steht im Vordergrund und die Patina ist das A und O der Objekte“, erklärt Harald Sättler und bedauert: „Hier wird so viel über- und damit kaputt restauriert“. Bedauerlich für ihn ist auch, dass seine Arbeit so gering geschätzt wird: Trotz des niedrig angesetzten Stundenlohns wird sein Preis oft noch gedrückt, was für ihn regelmäßig Kampf ums Überleben bedeutet.
Aber dennoch: Seinen Traumberuf hat längst gefunden, die Rahmenbedingungen lassen ihn aber weiterträumen: Von mehr Zeit, um in Ruhe arbeiten zu können, ohne den Druck der Wirtschaftlichkeit –das wird wohl vorläufig noch ein Traum bleiben.
Mehr auf eigener Seite:
www.hsaettler.de