Christine Finn

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Vom Sozialarbeiter zum Marktweib 

Das soziale Denken ist seit ĂĽber 30 Jahren die Treibfeder von Christine Finn – und das in grundverschiedenen Berufen 

„Zwanzig Jahre Sozialarbeit, zehn Jahre Marktweib!“ So bringt Christine Finn ihr bisheriges Berufsleben auf den Punkt – wobei der soziale Gedanke in beiden Karrieren ihre Triebfeder war und ist. Begonnen hat der erste Berufsweg der Wahl-Michelstädterin im Darmstädter Elisabethenstift, mit einer Ausbildung zur Hauswirtschafterin. Zur Überbrückung, denn für ihren Wunschberuf der Erzieherin war sie noch zu jung. Aber diese Ausbildung folgte und um mehr bewegen und entscheiden zu können, ließ sich die gebürtige Offenbacherin zur Sozialarbeiterin ausbilden. 1980 war sie damit fertig und mit ihr viele andere. Deutschland erlebte eine Sozialarbeiterschwemme, Arbeitsplätze waren Mangelware.
Die heute so vehement geforderte Flexibilität legte Christine Finn damals schon an den Tag und ging dort hin, wo Arbeit war: An den Bodensee. In der Seniorenarbeit baute sie unter anderem soziale Hilfsdienste auf. „Eine schöne Zeit, es hat viel Spaß gemacht und ich konnte mit Leib und Seele darin aufgehen“, schwärmt sie. Aber dann wandelte sich das Klima, vor allem im Bereich der Prävention wurde immer mehr gespart. Dennoch absolvierte sie eine Zusatzausbildung zur Heimleiterin, erlebte aber auch hier den Kostendruck und die Stilllegung von Stationen.
Die Möglichkeiten, die ihr blieben, entsprachen nicht ihren Werten, ihren moralischen und ethischen Vorstellungen. Zwei Jahre arbeitete Christine Finn noch als Freiberufler für das italienische Konsulat in einem Präventionsprogramm für italienische Kinder – dann neigte sich die Zeit am Bodensee dem Ende zu. Als sie sich in dieser Zeit von ihrem Mann trennte und überlegte, wie es beruflich für sie weiter geht, kam 1994 aus Michelstadt ein Wink des Schicksals: Der Bungalow gegenüber dem Haus ihrer Eltern war frei – und sie zog dort ein. Ein Job fand sie auch und wurde mit dem Aufbau der betreuten Grundschule beauftragt. Aber die Rahmenbedingungen und Schwierigkeiten der Bürokratie machten ihr zu schaffen, sie war enttäuscht und kündigte.
Das war auch das Ende ihres Berufslebens als Sozialarbeiter, eine völlige Neuorientierung stand an. Schützenhilfe leistete Christine Finns Mutter Edith Herzing. Schon 1965 begann diese in Lindenfels Märkte zur Förderung des Tourismus zu organisieren und wollte sich nun langsam zur Ruhe setzen. Die Tochter besann sich ihrer sozialen Verantwortung gegenüber Aufgebauten, legte ihr Organisationstalents, ihre Bereitschaft, Verantwortung zu tragen, ihren Sinn für Kunst und alles Schöne und ihren Spaß am Umgang mit Menschen dazu – und übernahm das Lebenswerk ihrer Mutter.
„Nun konnte ich endlich frei und kreativ arbeiten und trotz des ganzen Stresses macht es riesig Spaß“. Christine Finn organisiert Kunsthandwerk- und Brauchtumsmärkte, von den Ostereiern angefangen bis hin zu Weihnachtlichem, vorwiegend in Michelstadt, aber auch in Erbach. Ihre Intention dabei war, Gäste in die Städte zu locken, den Fremdenverkehr zu beleben. Damit füllt sie seit zehn Jahren an diesen Wochenenden die Hotels und Gaststätten mit ihren Ausstellern und den Besuchern, die oft von weit her anreisen. „Essen und Trinken gibt es auf meinen Märkten mit Absicht nicht, die Leute sollen ja in die örtliche Gastronomie“, erklärt sie.
Aber auch an den Märkten ging die Zeit nicht spurlos vorüber. „In der Anfangszeit war im Odenwald nichts los, heute haben wir regelrechte eine Schwemme von Bierfestchen und Gewerbeausstellungen, oft parallel zu den Märkten“. Dem ist inzwischen schon der kleine Ostereiermarkt in der Kellerei zu Opfer gefallen und abgewandert nach Neu-Anspach in den Hessenpark. Natürlich unter der Regie von Christine Finn, die auch Märkte außerhalb der Region wie im Kloster Maulbronn bei Pforzheim oder in Neu-Isenburg und später Seligenstadt organisiert. Auch der Herbstmarkt in Michelstadt, inzwischen parallel zum Bauernmarkt in Erbach, steht auf der Kippe, ebenso der Weihnachtsmarkt „EigenArt“ in der Werner-Borchers-Halle, bedingt durch eine Konkurrenzveranstaltung unmittelbar zuvor auf dem Marktplatz.
Von diesen Entwicklungen lässt sich die inzwischen 49-Jährige jedoch nicht unterkriegen, sondern denkt über Neues nach. So verbrachte sie dieses Jahr drei Wochen in Korea, knüpfte Kontakte zu hochrangigen Papierkünstlern – um das Niveau des Papiermarktes in Michelstadt noch weiter anzuheben. Und Träume hat sie auch noch: „Eine Kunstveranstaltung, die sich durch die ganze Stadt zieht, das würde mir Spaß machen“, erklärt das Odenwälder Marktweib, und fügt an: „Und vor allem für dem Fremdenverkehr und die Attraktivität der Stadt wäre das eine große Bereicherung“. Das soziale Denken ist eben nach wie vor ihre Triebfeder. (
www.odenwaldmaerkte.de)