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Schafe sind fĂĽr die Region unverzichtbar  

Schäferverein Odenwaldkreis betreibt Naturschutz im Zeichen der Heckenrose

Ihr Zeichen ist die Heckenrose – und diese steht fĂĽr Qualität aus der Region und eine tiefe Verbundenheit mit der Natur. In frĂĽheren Zeiten, vor der Flurbereinigung, waren die duftenden Sträucher der Heckenrose im Odenwald weit verbreitet, als natĂĽrliche Ackerbegrenzung. Es war die Idee der Heimatforscherin Ella Gieg, die frĂĽher selbst Schafe gehalten hat, diese Blume zum Logo des Schäfervereins Odenwaldkreis zu machen.
Vor fast elf Jahren schlossen sich die Schäfer der Region zu diesem Verband zusammen, seit sieben Jahren ist Wilhelm Spatz aus Ober-Kainsbach ihr Vorsitzender. Der 57-Jährige, ehemalige Betriebsleiter in der Großchemie, hält seit rund 40 Jahren Schafe. Als Nebenerwerb und Hobby, so wie die meisten seiner Vereinskollegen, die fünf bis 100 Schafe in ihrem Bestand haben. Karl Erich Hartmann aus Gammelbach ist der einzige Vollerwerbsschäfer in diesem Verband.
Rund 85 Mitglieder hat der Verein, zirka die Hälfte der Schäfer im Odenwaldkreis. Ihnen  gehören vier FĂĽnftel der Schafe in der Region, zirka 5000 Tiere. Dabei handelt es sich ausschlieĂźlich um Mutterschafe. Die Böcke machen nur eine geringe StĂĽckzahl aus – auf 50 Muttertiere kommt ein Bock – und die Anzahl an Lämmern ändert sich ständig. Drei Lammungen in zwei Jahren ist die Regel und 80 Prozent der Muttertiere bringen  Zwillinge zur Welt. Diese Veranlagung wurde den Tieren angezĂĽchtet, denn frĂĽher, als die Schäfer noch wanderten, waren Einzelgeburten vorteilhafter. Um ein Lamm konnte sich die Mutter leicht kĂĽmmern, bei zwei Kindern war sie auf der Wanderschaft oft ĂĽberfordert.
Es ist auch längst nicht mehr so, dass alle Mutterschafe zur gleichen Zeit lammen. Die ganzjährige Brunst ist bei vielen Rassen ebenfalls angezĂĽchtet, denn der Verbraucher verlangt das ganze Jahre ĂĽber Lammfleisch. Hauptlammzeit ist aber am Ende des Winters, damit, wenn das erste GrĂĽnfutter sprieĂźt, die Mägen der jungen Lämmer so weit entwickelt sind, dieses aufnehmen zu können. Die grĂĽne Wiese reicht den Schafen als Ernährung völlig aus, zusätzlich verlangen sie nur Wasser und ihren Salzleckstein. Wenn drauĂźen nichts wächst, bekommen die Tiere Heu, vorzugsweise vom zweiten Schnitt. Aber auch Kartoffeln, Apfeltrester, Getreide oder hartes Brot und Brötchen sind willkommene Abwechslung auf dem Speiseplan.
Das Schaf ist die Nutztierrasse mit der größten Artenvielfalt weltweit, im Odenwald leben rund 20 verschiedene Schafarten. Dabei handelt es sich ĂĽberwiegend um Fleischlieferanten, aber auch kleine Bestände an Milchschafen sind vertreten. Darunter auch das Ostfriesische Milchschaf, mit der größten Milchleistung der beste Milchlieferant weltweit. Die Milch dieser kleinen Bestände wird im Odenwald jedoch nur privat verwendet.
Schafe sind von Natur aus so veranlagt, dass sie das ganze Jahre ĂĽber im Freien  verbringen können. In den Wintermonaten und besonders in der Lammzeit brauchen sie jedoch einen wind- und regengeschĂĽtzte Unterstand. Geschoren werden die Tiere einmal im Jahr, allerdings nicht mehr wie frĂĽher nach den Eisheiligen Mitte Mai. Diese Tradition hat dem im Juni ĂĽblichen Kälteeinbruch den Namen Schafskälte beschert. Viele frisch  geschorene Tiere holten sich eine Lungen- oder EuterentzĂĽndung, frĂĽher ein groĂźes Problem. Heute wird nach Bedarf geschoren, wenn die Tiere im Winter in den Stall kommen oder wenn sie bei einer Veranstaltung besonders gut aussehen sollen oder wenn,  wie beispielsweise am Schäfertag, die Prozedur vor interessiertem Publikum stattfindet.
Neben öffentlichen Veranstaltungen in der Region wie Schäfertag und Lammwochen pflegen die Odenwälder Schäfer auch gute  Kontakte zu ihren Kollegen in Bayern und Baden-WĂĽrttemberg – und sind immer öfter mit ihren Tieren bei auswärtigen Veranstaltungen vertreten. Aber auch intern trägt die Arbeit des Vereins FrĂĽchte: Die Qualität der Tiere hat sich positiv verändert, viele hätten inzwischen gute Chancen auf Zuchtschauen. Das erklärt der Vorsitzende Wilhelm Spatz, der sich auch im Vorstand  des Hessischen Landesverbandes der SchafzĂĽchter engagiert, damit, dass innerhalb des Vereins ein kleiner Wettbewerb  entstanden ist. NatĂĽrlich hat auch der regelmäßige Erfahrungsaustausch viel zu den Zuchterfolgen beigetragen.
Eine wichtige Aufgabe fĂĽr die Schafe sehen Wilhelm Spatz und seine Kollegen im Landschaftsschutz. Immer mehr landwirtschaftliche Betriebe geben auf, immer weniger KĂĽhe beweiden die Flächen. Eine Verbuschung der Weiden und Wiesen  droht – wenn da nicht die 5000 Odenwälder Schafe wären. Diese können die Aufgabe des Abweidens ĂĽbernehmen – und betreiben damit Naturschutz, ganz im Zeichen der Heckenrose.

Schafwolle – ein Produkt ohne Absatzmarkt 

Die RĂĽckzucht zum Schaf mit natĂĽrlichem Fellwechsel ist bereits Praxis

Das Urschaf unterschied sich von seinen heutigen Artgenossen unter anderem darin, dass es nicht geschoren wurde. Wie die meisten anderen Tiere wechselte es ganz natĂĽrlich sein Fell, im Sommer und im Winter. Erst durch den Eingriff des Menschen und gezielten ZĂĽchtungen entwickelte sich das zum Scheren geeignet Wollschaf.
Schafwolle war in frĂĽheren Zeiten ein begehrtes Produkt in der Bekleidungsherstellung – das hat sich inzwischen geändert. Wolle  wird häufig als kratzig empfunden, entspricht nicht mehr dem heutigen Tragekomfort. Zudem werden KleidungsstĂĽcke heute häufiger gewaschen – und fĂĽr Waschmaschine und Trockner ist Wolle zu empfindlich. Der völlige Zusammenbruch des Wollmarktes kam Ende der achtziger Jahre mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und des gesamten Ostblocks, was vorallem die Woll-Export-Länder Australien und Neuseeland zu spĂĽren bekamen. Zuvor galten die Ostblock-Staaten als Hauptabnehmer der Schafwolle – zur Fertigung von Militärkleidung. Im Odenwald zeichnet sich der  Niedergang des Produktes Schafwolle im Preisverfall ab: Vor rund 20 Jahren erhielt ein Schäfer fĂĽr ein Kilogramm Rohwolle 4,50 Mark, inzwischen fĂĽr ein Kilogramm Merino-Schafwolle nur noch 1,50 Mark, beziehungsweise 75 Eurocent. Das Scheren kostet somit mehr, als der Verkauf der Wolle bringen wĂĽrde.
Heute findet Schafwolle in der Textilindustrie meist nur noch als organische Faserbeimischung Verwendung – und ist in die Bauindustrie ĂĽbergewechselt: Als  ökologisches Dämmmaterial. Hier sehen manche gar eine neue Karriere des Naturstoffes, als Schadstoffkiller, beispielsweise bei Formaldehydbelastungen.
Die Oberfläche der Wolle besteht aus EiweiĂźfasern - und EiweiĂź geht mit dem ĂĽberaus reaktiven Formaldehyd umgehend eine feste Bindung ein. Umgekehrt funktioniert das  auch: In der Pathologie wird eine wässrige Formaldehyd-Lösung (Formalin) genutzt, um organisches Gewebe – präparierte Tiere oder Organe - fĂĽr lange Zeit zu stabilisieren.  Dabei geht der gelöste Formaldehyd mit dem tierischen EiweiĂź eine feste Bindung ein, so dass die Körper nicht verwesen können.
Eine Firma im Allgäu setzt auf das Potenzial der Schafwolle fĂĽr den Schadstoffabbau. In einem komplexen Produktionsprozess wird aus ganz normaler Schafwolle ein Schadstoffkiller. Dazu werden zunächst die Fettsäuren an der Oberfläche ausgewaschen, damit auch langkettige MolekĂĽle eindringen können. Die Wolle wird dann zu einem Vlies mit extrem groĂźer  Oberfläche verwoben. Dadurch wird das Aufnahmevermögen fĂĽr das Reizgas noch erhöht.
Laboruntersuchungen des Eco-Instituts in Köln und des Deutschen Wollforschungsinstituts an der Technischen Hochschule Aachen bestätigen die  Wirksamkeit des Wollvlieses. Demnach vermag das Vlies selbst extrem hohe Formaldehyd-Werte innerhalb weniger Stunden zu 95 Prozent zu absorbieren. Noch liegen keine praktischen Erfahrungen ĂĽber die Langzeitwirkung vor: Drei Jahre beträgt die längste Messreihe. Nur fĂĽr diesen Zeitraum ist die Wirksamkeit bestätigt. Doch Hochrechnungen auf der Grundlage der Laborversuche lassen die Forscher vermuten, dass die Wirkung der Wollvliese mindestens zehn Jahre anhält.
Diese Fähigkeit der Schafwolle ist fĂĽr Wilhelm Spatz, Vorsitzender des Schäfervereins Odenwaldkreis, nichts Neues. SchlieĂźlich ist er von Beruf Chemiker und war 25 Jahre Betriebsleiter in der GroĂźchemie. Eine Zukunftsperspektive fĂĽr die Schafwolle als Schadstoffkiller sieht er allerdings nicht. Der Einsatz von Fomaldehyd beim Hausbau ist  verboten, Belastungen durch diesen Schadstoff werden demnach immer seltener. Und als reines Dämmmaterial kann es Schafwolle mit den billigeren Konkurrenten wie Steinwolle nicht aufnehmen.
Was wird also geschehen mit dem Produkt Schafwolle, das nun einmal pro Jahr und Schaf anfällt? NatĂĽrlich haben sich die SchafzĂĽchter darĂĽber Gedanken gemacht. Von RĂĽckzucht ist die Rede und bereits im Februar 2002 präsentierte ein SchafzĂĽchter in Bielefeld das “pflegeleichte” Schaf. Ein erster Zucht-Schritt zurĂĽck zu Schafen, die nicht mehr geschoren werden mĂĽssen, sondern ihr Fell im Sommer und im Winter selbst wechseln, wie ganz frĂĽher das Urschaf.