LaLeLu
Index
OdinPrawda
OdinWald
OdinKultur
OdinReise
OdinSport
Impressum
OdinHistory
OdinWälder

Fliegenden GrĂĽnkernbratlinge und vertonte Kontaktanzeigen

 Das Hamburger Quartett „LaLeLu“ serviert im Patatkeller a-capella-Comedy vom Feinsten

Wer bei „Lalelu“ an Schlaflied denkt und von a-cappella etwas Ă„hnliches wie die „Comedian Harmonists“ erwartet, lag  im Patatkeller völlig daneben. „Lalelu“ erwies sich mit Sören Sieg, Jan Melzer, Tobias Hanf und Sonja Wilts als stimmgewaltiges Quartett, das keineswegs Anlass zum Einschlafen gab. Und ihr a-cappella-Gesang zeigte auch keinerlei Parallelen zum grĂĽnen Kaktus auf. „GroĂźe Kunst. FĂĽr sehr viel Geld.“ hieĂź das Programm. GroĂźe Kunst wurde tatsächlich geboten, allerdings zum ĂĽblichen Eintrittspreis.
Statt mit schönen Stimmen begann der Abend mit Hustenreiz in den ersten Reihen. Ursache: Die Nebelmaschine mit Vanillegeschmack. Dass die vorderen Plätze ein gewisses Risiko in sich bergen, erfuhr auch gleich ein Gast aus Rehbach. Sonja erklärte ihm musikalisch ihre Liebe und ließ sich dazu auf seinem Schoß nieder. Mit vertonten Kontaktanzeigen, vom Frühbarock und Georg Philipp Telemann über die Zwölftonmusik bis zum blonden Doofchen aus Ostfriesland ging es weiter in Sachen Liebe, entsprechende Kostümierung inklusive. Für die Herren im Publikum gab es musikalische Anbaggertipps – ob wirklich zu empfehlen, ist fraglich, bei der so innig angesungenen Sonja führte es zu einem herzhaften Lachkrampf.
Aber eigentlich war ja auch die Kunst das Thema, zum Beispiel die Kunst, die eigenen Kinder zu erziehen. Komponist und Arrangeur Sören Sieg erläuterte den kausalen Zusammenhang des Kinderlieds „Hänschen klein“ mit dem Nesthocker-Syndrom. Lalelu riet zu neuen, pädagogisch wertvolleren Kinderliedern wie „Ottokar hat Segelohren“ und die trotzige Forderung „Ich will Pfannkuchen“ – ein Stück Realsatire.
Die Frage „Was ist Kunst?“ klärte das literarische Quartett, wobei Tobias Hanf als begnadeter Stimmenimitator Marcel Reich-Ranicki, Edmund Stoiber, den auf essbare Kunst fixierten Gerhard Schröder und Johannes Rau mit wackelndem Gebiss in Personalunion gab. „Sieben Tage – Sieben Mönche“ führte ins Mittelalter, mit vier sich geißelnden Mönchen und gregorianisch gesungenen Witzen. Jan Melzer intonierte als Enrique Iglesias die mediterrane Leichtigkeit am Steuer, Sören Sieg gab den mit Blumen, Stofftieren und Dessous überhäuften Schlagerstar Florian Clüver, der gegen Playback-Unsitten der Branche tönte – das einzige Stück der Hanseaten mit Konservenbegleitung. Die schöne alte Tradition der fliegenden Grünkernbratlinge wurde erörtert und die Schönheit Michelstadts besungen. Mit einem musikalischen Wettkampf der Fortbewegungsmittel, von der Schwäb’schen Eisenbahn bis zum „Easy Rider“ und „Highway to Hell“, läuteten Lalelu das Finale ein.
Das Publikum erlebte an diesem Abend a-cappella-Gesang der anderen, der abwechslungsreichen und vielseitigen Art. Oft sang nur einer der Vier, die anderen begleiteten ihn „instrumental“. Die Stilrichtungen reichten vom Mittelalterlichen über Klassik, Kinder- und Volkslieder bis hin zum Jazz, Hardrock und HipHop. Kräftig gewürzt war das Ganze mit reichlich Komik, weniger mit deftigen Schenkelklopfern, mehr subtil, intelligent und hintergründig, hanseatisch eben. Nach der dritten Zugabe - unter anderem kam Elvis schnell noch vorbei und sang plattdeutsch – entkamen die Vier dem begeisterten Publikum nur durch singenden Abgang von der Bühne durch den Zuschauerraum. (07.05.04)