Kai Magnus Sting
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Warum der Papst kein Kopftuch tragen muss

 Kai Magnus Sting parodierte, analysierte und assoziierte im Patatkeller rhetorisch brillant „Das Feinste vom Leben 

„Verstehen Sie was ich sagen will? Gut! Ich auch nicht!“ Diese Frage samt Eingeständnis war am Samstag des Öfteren von der Patatbühne zu hören. Dort stand der Kabarettist Kai Magnus Sting und plauderte über „Das Feinste vom Leben“. Und das in atemberaubendem Tempo, oft ohne Punkt und Komma, mit reichlich abgehackten Satzenden nach schönster Manier eines Dieter Hildebrandt. Kreuz und quer ging es durch die Themen, mit eigenwilliger Logik stellte Sting Zusammenhänge dar und kommentierte diese brillant bissig.
Das vergangene Jahr betrachtete er als ebenso überflüssig wie RTL. Außer Superstar-Suche, Dschungelshow und Biografien von Bohlen, Feldbusch, Naddel, Gina Wild, Uschi Glas, Boris Becker und Küblböck sowie einen heißen Sommer hat es nicht viel gebracht. Zudem sei der durchschnittliche Jahresbierkonsum von 17 auf 15 Kisten pro Kopf gesunken. Die Ursachen liegen natürlich in den Fehlern der Politik. Was bringt die Aufforderung des Kanzlers, zwecks Konjunkturförderung mehr einkaufen zu gehen, in der Silvesteransprache, wenn die Geschäfte geschlossen zu haben. Abhilfe schafft nur ein Schlechte-Stimmung-Abbau-Gesetz, aber dagegen stehe die Oppositionen mit ihre Parole: Gute Laune, nicht mit uns!
Aber eigentlich mache ja nichts einen Sinn, man wird geboren, um zu sterben, erklärte der junge Duisburger und wendete sich den wesentlichen Dingen zu: Den Unterschieden und Gemeinsamkeiten von Mann und Frau. Wo Frauen ein Gehirn haben könnten, haben Männer ein Vakuum, stellte er fest – und männlicher Kulturhunger lässt sich durch einen Yoghurt stillen. Gott muss eine Frau sein, denn ein Mann könnte niemals sechs Milliarden Menschen und das ganze Universum überblicken. Andererseits: Eine Frau hätte sich spätestens am dritten Schöpfungstag irgendwo festgequatscht. Mutter Natur sei aber definitiv eine Frau, sonst wüchsen auch den Feld Pommes statt Getreide.
Er sei ein wenig angekältet, meinte Sting. Seit die Mauer weg ist, sind die Winter kälter geworden – und jetzt auch noch die EU, das lässt Eiszeit befürchten. Seit Einführung des Euros habe sich viel geändert, selbst die Kanzlerregierungszeit hat sich von 16 Jahren auf acht halbiert. Und weiter in umwerfender Logik: Fernsehen ohne Ton ist nur halb so schlimm und in den Krimis werden zu wenig Leute umgebracht, sonst gäbe es nicht so viele Volksmusiksendungen.
Sting philosophierte über das Leben und Alltagsbanalitäten, setzte Osama bin Laden – „irgendwie sind wir um sieben Ecken alle miteinander bekannt“ – neben das Ende der Welt in Form von zwei Zeugen Jehovas bei sich zu Hause auf die Couch. Er plädierte für Eigenurin-Anwendungen, aber nur äußerlich an den Füßen, plauderte über Reise- und Hotelerfahrungen und Familie, die auf dem Friedhof am erträglichsten ist. Als Glück bezeichnete Sting, dass Jesus das Christentum und nicht den Islam gegründet hat, sonst hätte er sein Ende statt am Kreuz am Dönerspieß gefunden und der Papst müsste heute ein Kopftuch tragen.
Ebenso respekt- und hemmungslos wie rhetorisch brillant parodierte, analysierte und assoziierte sich der erste 26-Jährige durch sein bereits neuntes Soloprogramm - bis hin zum Tag X, an dem alles verschwindet. Die Socken haben bereits den Anfang gemacht, nach jeder Wäsche fehlen einige. Irgendwann verschwinden auch die Menschen, ins Nirwana, und treffen sie wieder, die Socken. „Wenn Der Tod irgendwann vor der TĂĽr steht, ich wĂĽrde’ ihn bewusstlos quatschen!“ erklärte der hochtalentierte, junge Kabarettist und das glaubt man ihm nach diesem wortreichen Abend aufs Wort. (08.05.04)