Iris Stromberger
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Naive Göre und rachsüchtige Megäre

Iris Stromberger zeigt im Patatkeller mit ihren Chanson-Programm „Herzklopfen – Herztropfen“ alle Facetten der Liebe auf

Die Liebe ist ein abendfüllendes Thema: Angefangen vom wunderbaren Gefühl des verliebt seins über all die kleinen und großen Dramen des Zusammenlebens bis hin zur Scheidung. „Herzklopfen – Herztropfen“ heißt diese Spanne bei Iris Stromberger, die dem Thema am Freitag im Patat unter diesem Titel einen Chansonabend widmete, am Flügel begleitet von Michael Erhard vom Staatstheater Darmstadt.
Die Darmstädterin – Tochter des „Datterichs“ Robert Stromberger – bediente sich dabei Texten unter anderem von Hugo Wiener, Georg Kreisler, Kurt Tucholsky, Friedrich Holländer, Otto Reuter und Eugen Roth. Diese Chansons und Verse strammen zwar allesamt aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, aber im ewigen Spiel zwischen Mann und Frau ändert sich offensichtlich nicht viel.
Nach dem wunderbaren Gefühl des verliebt seins kam auch gleich die Erkenntnis, dass die Ehe zu größten Teilen aus verbrühter Milch und Langeweile besteht, weswegen im Film ja gleich nach dem Happy End ausgeblendet wird. Iris Stromberger blendete jedoch nicht aus, sondern legte erst richtig los. Sie sang von Männern, „Professoren und Tenöre sind die schlimmsten Amateure“, von Frauen und ihren „migräneblonden Mähnen“. Sie schmachtete den Pianisten an „Erich bleib bei doch mir“. Aber der meinte nur: „Ich heiße nicht Erich“.
Als Kontrast zur Askese und um das erstrebenswerte Ziel, „gnädige Frau zu sein“ zu erreichen, wollte sie „gerne mal wieder Braut sein“. Die Chansonette klagte „Mein Mann schläft immer gleich ein“ und wünscht sich einen, der so nett und aufmerksam wie am ersten Tag bleibt. „Ich kann den Nowotny nicht leiden“ erklärte sie die Ablehnung der Ehe mit selbigem, trotz drei gemeinsamer Töchter.
Es ging um Liebesbriefe zu falschen Tageszeit, Liebe auf dem Rummelplatz, Einsamkeit zu Zweit, verzwickte Verwandtschaftsverhältnisse, schwächelnde Auerhähne und die Sehnsucht nach etwas Rotlicht statt vornehm dunkler Lüster. Iris Stromberger wienerte vom „Nowak“, der am ganzen Leib Charakter hatte und berlinerte die Empfehlung „Nehm sen Alten“. Sie lispelte über ihren Geburtstagswunsch vom Vorderzahn, gierte nach einem Neandertaler und klärte – herrlich russisch – über die Entstehung des „Filet Stroganoff auf. Den Frauen riet sie: „Man muss den Männern sagen, dass sie klug sind – die Wahrheit können sie nicht ertragen“.
Einer der Höhepunkte im Programm: Das Geständnis an Egon, dass sie einen zuviel getrunken hat. Sturzbetrunken torkelte sie singend über die Bühne, leistete dabei beachtliche Fußarbeit – bis sie umfiel. Natürlich war das ebenso gespielt wie all das Leid, die Schmerzen, aber auch die Hoffnung und das Glück der Liebe. Iris Stromberger schlüpfte ausgesprochen authentisch in jede Rolle, ob naive Göre, frivoler Vamp, leidende Gattin, einsames Scheidungsopfer oder rachsüchtige Megäre - sie bewies sich einmal mehr als gleichermaßen hochbegabt Sängerin und Schauspielerin.
Zudem gab es auch einige gute Ratschläge zum Thema, wie beispielsweise: Das Salz in der Suppe der Liebe ist die Veränderung – es muss ja nicht gleich ein neuer Mann sein, beim alten weiß man wenigstens, was man hat. Das Publikum zeigte von diesem facettenreichen Chansonabend mit leichten Anflügen von Nostalgie rundum begeistert, dankte mit Bravorufen und forderte der Chansonette und ihrem Begleiter noch einige Zugaben ab. (23.01.04)