Helmut Schleich
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Bayrische Hausmannskost statt Gourmet-MenĂĽ 

Kabarettprogramm von Helmut Schleich zum Thema Essen fehlt Würze und Schärfe

Geschmack ist individuell, dem einen schmeckts, dem anderen nicht. Das ist beim Essen so, aber auch beim Kulturgenuss. „Das Auge isst man mit“ hieß das Menü auf dem Programm der Kleinkunstbühne Patat, serviert von dem Kabarettisten Helmut Schleich. Während Vereinzelte im Publikum vor Begeisterung quietschten und aus ihren Lachkrämpfen kaum mehr heraus kamen, hatte andere für das Gebotene bestenfalls ein müdes Grinsen übrig, das schon bald in Gähnen überging.
Es ging ums Essen in Helmut Schleichs zweitem Kabarettprogramm, vom der fehlenden Mahlzeit, die das Hirn des Akteurs nach eigenem Bekunden in den Magen abrutschen ließ, bis hin zum Verdauungsvorgang. Zu diesem immer wieder kehrenden Prozess tauchte die Bühne in rosarotes Licht und ein bayrischer Semmelknödel, ein böhmisches Schaschlik und ein esoterisch angehauchter, tuntiger Eisbergsalat erzählten sich Witze oder führten andere wenig geistreiche Gespräch über verachtenswürdige Tiefkühlprodukte oder vermeintlich überschrittene Verfallsdaten.
Zur hintergründigste Nummer im Programm schlüpfte Schleich in die Rolle des Kritikers. Vor 50 Jahren bekam ein Arbeiter für seinen Stundenlohn acht Eier, heute sind es 137 – „und die isst er dann auch“. Als Beispiel für die Schmerbäuche des Proletariats führte er Volksfeste in Bayern und um die Ecke an, wo sich der Mob mit Bratwürsten voll stopft und sieben Bier hinterher schüttet. Immer getreu dem Motto: Hauptsache billig und viel! Viel teuer müsse es werden, das Essen, der öffentliche Personennahverkehr, bei dem auch jeder einfach so mitfahren kann – und als Statussymbol zur sozialen Abgrenzung nach unten empfahl Schleich das Glas Rotwein. „Ein hierarchischer Ansatz beim Essen muss einfach sein“ und „gebt dem Volk was zu essen, dann ruft es heute „Oh, wie lecker“ und morgen „Heil Hitler“, meinte der Kabarettist.
Dazwischen mühte sich der dem Essen offensichtlich nicht abgeneigte Bayer mit distanziertem Verhältnis zum Idealgewicht umständlich mit einem Campingkocher ab, erklärte, dass man auf einer Kabarettbühne nicht über Kollegen lästert, nicht Biolek imitiert und schon gar nicht mit nachgemachtem Sächsisch kommt – und tat im Anschluss genau dies. Dem Publikum wurde episch erklärt, dass nach dem ersten Teil und der Pause der zweite Teil des Programms folgt – und die den ganzen Abend im Raum schwebende Frage „Was will der Künstler uns damit sagen?“ beantwortete dieser selbst in schönstem bayrisch: I woas des aa net!
Schauspielerisch, in seiner Arbeit mit Mimik und Gestik bei den häufig wechselnden Typendarstellungen, erwies sich Schleich brillant. Den Bullen von Tölz sah er zum Verwechseln ähnlich, Biolek gab er herrlich überzogen und auch einige Polt’sche Parallelen ließ er erkennen. Dem servierten Menü fehlte allerdings ein wenig Würze und Schärfe – bayrische Hausmannskost statt Gourmet-Menü der gehobenen Klasse. (06.06.04)