HISS
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Nicht immer Polka, aber immer gut

Die Ludwigsburger Formation „Hiss“ mit Patatpublikum auf musikalischer Weltreise

„Polka für die Welt“ versprach am Samstag das Programm im Kleinkunstverein Patat. Wer allerdings eine schrullige, folkloristisch anmutende Blaskapelle erwartete, erlebte mit der Formation „Hiss“ eine Überraschung. Wie Frontmann Stefan Hiss erklärte, waren die fünf Schwaben um die ganze Welt gereist, um den Einheimischen in den entlegenen Teilen des Globus ihre Lieder zu entlocken. Das Ergebnis bringen sie in ebenso entlegene Regionen, und an diesem Abend war das Michelstadt.
Der Zweivierteltakt-Tanz, dessen Ursprung in Polen und Böhmen vermutet wird, machte zwar den wesentlichen Part des Programms aus, aber die Musiker aus Ludwigsburg verpackten auch ganz andere Klänge in ihre musikalische Weltreise. Reichlich Cajun, die Musik der französischstämmigen Amerikaner-Einwanderer klang durch, ebenso Folk- und Countrymusik, gewürzt mit Rock. Im Vordergrund stand Stefan Hiss, der Polka-König mit seinem Akkordeon und gleichzeitig unterhaltsamer Conférencier, begleitet von Thomas Grollmus (Mandoline und Gitarre, Paul Pacher am Standschlagzeug, Michael Roth (Mundharmonika) und Volker Schuh (Bass).
Hinzu kam mehrstimmiger Gesang – und die Texte hatten es in sich. Ob einfache Lebensweisheiten, tief greifende philosophische Gedanken oder Herzschmerz, Tod und Teufel - teils ironisch, teils rabenschwarz erklangen die Geschichten von verflossenen Lieben, alkoholgeschwängerten Nächten und vermeintlich historischen Begebenheiten. Überwiegend sangen die Schwaben in Deutsch, aber auch in Englisch oder Finnisch. Letzteres jedoch nur, weil finnische Skispringer einfach die klangvolleren Namen haben. Es klang nach Tundra und Taiga, nach Wildem Westen, Coyboys, Gauchos und den Sümpfen Louisianas. Selbst im Hindukusch wurden die Herren in Sachen Heimatklänge fündig, aber auch die deutsche Bierseligkeit fand im Programm ihren Platz.
Eine original polnische Polka entdeckten „Hiss“ in den Vereinigten Staaten, dargeboten von jamaikanischen Musikerinnen. In „Who stole the Kishka?“ ging es um die Wurst, zumindest nach polnischem Verständnis – die Jamaikaner rauchen die Kishka. Doppeldeutigkeiten sind eine Spezialität von „Hiss“, verpackt in mitreißenden Gute-Laune-Sound, der manchmal zum Schunkeln und Träumen, stets jedoch zum Tanzen animiert.
Die jüngeren Besucher hätte dafür im bestuhlten Saal gerne mehr Platz gehabt, den Älteren war es teilweise zu laut. Aber die Tänzer fanden ihren Platz, und trotz der Lautstärke vermochten sich nur wenige diesen faszinierenden Polka-Königen und ihrer ansteckenden Fröhlichkeit entziehen. (28.02.04)