Sinasi Dikmen
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Von der getĂĽrkten Wahrheitsliebe der Griechen

Der Kabarettist Sinasi Dikmen begeistert mit Selbstironie und Sarkasmus im Patatkeller

Das Verb „türken“ erklärt der Duden mit vortäuschen oder fälschen. Dagegen wehrt sich Sinasi Dikmen, von Nationalität Türke und von Beruf Kabarettist. Er fordert eine Begriffsreform, eine Änderung dieses Verbs in „griechen“, denn „die Liebe der Griechen zur Wahrheit ist eine getürkte“. Die gesamte griechische Philosophie sei eine türkische Erfindung, von den Griechen gefunden bei illegalen Ausgrabungen auf Zypern und anschließend einfach umetikettiert.
Diesen historischen Irrtum aufzuklären war am Freitag im Michelstädter Patatkeller die Intention des Türken, der nach eigener Einschätzung wie ein Bayer aussieht: klein, gedrungen, ein bisschen dick. Und Deutsch spricht wie ein Tscheche - mit starkem slawischem Akzent. Er lebt schon so lange in Deutschland, dass ihm die Angst vor Rinderwahn Appetit auf Currywurst macht, er regelmäßige Intimhygiene als Ersatz für Beschneidungen ansieht, im muselmanischen Büro die Tüten durch Leitzordner ersetzte und sogar die wechselnden Liebhaber seiner Töchter akzeptiert. Selbst seine Mutter befand schon, dass Herbert oder Stefan als Namen für ihn passender gewesen wären. Nur für den Nacktbadestrand – FKK statt PKK - fehle ihm noch die teutonische Gelassenheit.
In seinem Programm „Du sollst nicht türken“ beleuchtete die drei großen Abraham-Religion und fand bei Juden, Moslems und Christen eine große Parallele: Die gemeinsame Freude am Verfolgen. Eigentlich hätten seine Landleute beim Irak-Krieg ja gerne mitgemacht, aber sie durften nicht – dabei wäre das doch nur ökumenische Zusammenarbeit gewesen.
Selbstirionie und Sarkasmus sind die großen Stärken des kleinen Türken mit dem riesigen deutschen Wortschatz. „Ich schlage meine Frau, damit sie sich wehren lernt“, bekannte er – und erkannte das Klischee als Abseitsfalle des Kabaretts. Dort hinein passte auch hervorragend sein fiktiver Neffe Mehmet, der in der Volkshochschule Türkisch lernt und im Internet eine rege Kommunikation über Unfälle mit abgeschnittenen Zehennägeln führt.
In erster Linie ging es jedoch um die von den Griechen geklaute tĂĽrkische Philosophie. Sogar Diogenes, der erste prominente Containerinsasse, habe in einer tĂĽrkischen Tonne in einer tĂĽrkischen Stadt gesessen. Inzwischen sei er wiedergeboren, als makedonischer Schwabe namens Sladko.
Der ungefähr 1945 in Ladik/Samsun geborene kleine Türke lebt seit 31 Jahren in Deutschland. 15 Jahre war er als Krankenpfleger tätig, bis Anfang der Achtziger seine kabarettistische Karriere bei Dieter Hildebrandt begann. Sinasi Dikmen rief mit „Knobi-Bonbon“ das erste türkische Kabarett in deutscher Sprache ins Leben, brachte damit fünf Programme auf die Bühne und kassierte mehrere Preise und Auszeichnungen. Nach Auflösung des Duos gründete er 1997 in Frankfurt einen eigene Bühne, „die Käs“, die Kabarett Änderungs-Schneiderei und gibt zusätzlich europaweit Gastspiele. Aber selbst in der Türkei spielt er in Deutsch.
Gemeinsam mit dem Patat-Vorsitzenden Lothar Mertens sitzt er in der Jury des Reinheimer Satirelöwen – und so war es nur eine Frage der Zeit, bis auch das Odenwälder Publikum diesen sympathischen Türken und sein raffiniertes, pointenreiches Spiel mit der deutschen Sprache erleben durfte. (11.04.03)