Reiner Kroehnert
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Gegen den Belzebub im Brioni-Zwirn

Rainer Kröhnert sorgte im Patatkeller mit parodistischem Kabarett fĂĽr einen Massenaufmarsch an Politprominenz 

 â€žWir stecken tief in der allumfassenden Krise, aber es zieht ein Prophet durchs Land, der von einem neuen Messias kĂĽndet.“ Mit dieser Botschaft und einigen Bibelworten eröffnete am Freitag der Kabarettist Reiner Kröhnert im Patatkeller sein Programm „Sieben gegen Schröder“. Auf das Publikum kam damit eine ganze Meute an Polit- und anderer Prominenz zu, die sich auf der BĂĽhne in rasendem Tempo ablösten.
Allen voran „Nobbi (Blüm), der Täufer“, der gegen das „Fleisch gewordene Böse im Brioni-Zwirn“ zu Felde ziehen wollte. Als Jünger folgte ihm eine illustre Schar: Peter Hinze, Friedrich Merz, Angela Merkel, Daniel Cohn-Bendit, Volker Rühe, Boris Becker als Quotendepp und Rita Süssmuth als Gebenedeite, die den Messias im Leibe trug.
Diese „glorreichen Sieben“ zogen gen Berlin, mit journalistischer Neugier verfolgt von Erich Böhme, der in Talkrunden den Ältestenrat zu Wort kommen ließ. Hans-Jochen Vogel hielt nicht nur den Messias, sondern auch den „Nobbi“ für eine Fatahmorgana, Hans-Dietrich Genscher erkannte den messianischen Bündnisfall und empfahl freundliches Abwarten in wohlwollender Distanz. Ebenso kamen Otto Graf Lambsdorf und Kardinal Lehmann zu Wort und „Schattenkanzler“ Edmund Stoiber durfte sich in seinen Nebensätzen verhaspeln. Natürlich blieb auch der „Belzebub“ selbst nicht außen vor: „Was Rot-Grün geleistet hat, hätte Schwarz-Gelb schlechter nicht machen können!“
Der Messias in Ritas Bauch entpuppte sich nach heftigem Pressen als Klaus Kinski, was den Filmemacher Werner Herzog mit ins Spiel brachte. Lieblingsjünger Boris erkundigte sich nach der Telefonnummer der Kinski-Tochter, Merz erzählte von seiner wilden Jugend und „Daniel Le Rouge“ propagierte die Dialektik der Revolution. Angie fühlte sich derweil gekränkt, als Frau und als Ostdeutsche, weil sie keinen Messias im Bauch hatte.
Den bekam sie allerdings auch noch, in Person von Genosse Erich Honecker. „Petrus“ Hinze, den selbst der Kinski-Messias nicht leiden konnte, vertrieb beide Messiasse mit einen Judaskuss, worauf Rita nach einem Pfefferminzbonbon verlangte. Auf seine kumpelhafte Art beendet Schröder den Event und schickte die Jünger nach Hause. Zuvor offenbarten sie sich gegenseitig ihre Leichen im Keller, bis auf Angie, die aus dem Osten kommt und keinen Keller hat.
NatĂĽrlich war nicht halb Berlin nach Michelstadt gereist, all die 18 Personen verkörperte Reiner Krönert. Dazu benötigte der gebĂĽrtige Bergsträßer - 1958 in Schriesheim geboren -  noch nicht einmal Requisiten. Schon an seiner Mimik und Gestik waren die handelnden Personen zu erkennen: Angie an ihren hängenden Mundwinkeln, Kinski an seinem gespitzten Erdbeermund, der Kanzler mit der rechten Hand in der Hosentasche. Dazu kam die Stimme dieses begnadeten Parodisten, deren Palette mindestens so vielfältig ist wie das Farbspiel eines Chamäleons. Er bot hochintelligentes, zutiefst bösartiges Kabarett in meisterhafter Rhetorik, das dem begeisterten Publikum permanente Aufmerksamkeit abverlangte.
Kröhnerts echte, eigene Stimme gab es erst am Ende des Programms zu hören. Aber selbst dabei tauchten sie alle noch mal auf, ihm erging es wie Goethes Zauberlehrling: Die Geister, die er rief, wurde er einfach nicht mehr los. (10.10.03)