Ken Bardowicks
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Ersatzmann verzaubert alle

Ken Bardowicks, der weltbeste Stand-up-Magier, verblĂĽfft und begeistert im Patetkeller mit Effekten und Comedy

Eigentlich sollten am Samstag zwei Zicken von der Reeperbahn auf der Patat-Bühne stehen. Aber der männliche Part des Duos Bo Doerek war erkrankt und der Auftritt wurde kurzfristig abgesagt. Nach einigen Telefonaten präsentierte die Agentur einen Ersatzmann – und der stellte sich als ein Künstler heraus, mit dem Patat-Chef Lothar Merstens seit drei Jahren vergeblich versuchte, einen Gastspieltermin zu vereinbaren.
Ben Bardowicks heißt der junge Mann, ist 24 Jahre jung, hat sich seit zehn Jahren der Zauberei verschrieben und wurde im Juli 2003 – nach zahlreichen anderen Auszeichnungen - in Den Haag zum weltbesten Stand-up-Magier gekürt. Sein erstes abendfüllendes Solo-Programm trägt den Titel „Defekte Effekte“ und an verblüffenden Effekten mangelte es wahrlich nicht.
Ob er Spielkarten mischte, ohne sie aus der Schachtel zu nehmen oder eine Zipfel aus dem Ärmel zog, der sich als meterlange Schnur entpuppte und an der Krawatte endete oder Quietsch-Entchen verzauberte – das Publikum verfolgte seine Tricks mit Faszination. Wie der junge Mann immer wieder Geld ausgeben kann, ohne dass sich seine Scheine reduzieren, hätte jeder im Saal allzu gerne durchschaut. Eine gesuchte Karte steckte im Messer und das wiederum in seiner Hand. Den Seiltrick beherrschte er par Excellanze, er verbrannte Geldscheine und zauberte sie wieder herbei, schluckte Rasierklingen und zog sie an einem Faden wieder aus dem Mund.
Das eigentlich verbotene HĂĽtchenspiel zelebrierte er mit Quietsch-Entchen, aber Susi und Eduard schienen ein Eigenleben zu fĂĽhren. Hin und wieder war einer seiner Schuhe nicht mehr am FuĂź und keiner hatte mitbekommen, wie er verschwand. DafĂĽr tauchte ein roter Damenschuh scheinbar aus dem Nichts auf. Als es mit dem Zersingen von Glas nicht sofort klappte, versuchte er es mit Reden – und auf Befehl zerbrachen erst das Wasserglas und dann auch noch der Tisch. Der Magier befand sich in beiden Fällen Meter davon entfernt.
Dazwischen hielt der Sohn eines deutschen Vaters und einer englischen Mutter ebenso intelligent wie unterhaltsam Vorträge zum Thema „Wie werde ich erfolgreich und glücklich?“ oder über das Besiegen des inneren Schweinehundes. Als Zauber-Roboter zeigte er die Zukunft auf, wenn in seiner Branche konjunkturbedingt Stellen abgebaut werden und erläuterte das Wesen der Magie: „Zauberkunst ist die Kunst, Menschen von etwas zu überzeugen, was nicht stimmt - wie in der Politik“. Auch über die innere Einkehr beim Yoga wusste er zu berichten: „Wir treffen uns einmal in der Woche, um einzuatmen.“
Das Publikum, besonders die ersten beiden Reihen, erlebte dabei einen interaktiven Abend, Mitmachen war angesagt, ob als Assistentin, Königin Elisabeth oder als Geldgeber für den verbrannten Schein. In rasantem Tempo, gewürzt mit reichlich Charme und Redekunst, servierte der gebürtige Wiesbadener mit Wohnsitz in Köln einen äußerst schmackhaften Cocktail aus umwerfender Comedy, faszinierender Magie und prickelnder Ironie. Das Publikum tobte vor Begeisterung und am Ende des Abends dachte keiner mehr daran, dass er eigentlich wegen Bo Doerek gekommen war. Bei solchen Ersatzleuten kann öfter mal ein Künstler krank werden. (11.10.03)