Heinrich Pachl
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Von Hundesöhnen und Schweinehunden

Heinrich Pachl aus Köln-Nippes erklärt die politische Weltlage und anderes Chaos

Kann man einen Tag nach Ausbruch des Irak-Kriegs über politisches Kabarett überhaupt noch lachen? Man kann, wenn auch etwas verhaltener und nachdenklicher als sonst. Dafür sorgte im Patatkeller Heinrich Pachl, Kabarettist aus Köln-Nippes. Sein Programm „Chaos und Spiele“ hatte eigentlich den Kölner Müllverbrennungsanlagen-Klüngel als Grundlage – aber Köln ist in diesen Zeiten wahrlich weiter vom Odenwald entfernt als Bagdad.
„Warum haben wir jetzt Krieg?“ fragte der kleine, zerzauste Altachtundsechziger Jahrgang 1943 – und gab auch gleich die Erklärung. Die Welt sei eingeteilt in USA, Hinterhof und Schurkenstaat. Hinterhöfe werden von Hundesöhnen regiert, Schurkenstaaten von Schweinehunden. Hundesöhne gehören zur Familie, Schweinhunde gilt es zu vernichten. So sehen das zumindest der nach immerhin drei Auslandsreisen mit Ziel Mexiko welterfahrene  George W. Bush und Donald Rumsfeld, sein Kampfkaninchen mit Killerinstinkt.
Zudem stelle sich die Frage nach der Existenz von Massenvernichtungswaffen. Die gäbe es tatsächlich, wenn auch nicht im Irak, doch zumindest in Nord-Korea – und Saddam Hussein kann schlieĂźlich nichts dafĂĽr, dass er nicht dort auf dem Regierungssessel sitzt. Auf jeden Fall trage er die Verantwortung fĂĽr diesen Krieg – weshalb die Amerikaner auch völlig verantwortungslos handeln dĂĽrfen. Beruhigend sei, dass die Marschflugkörper hundertprozentig zielorientiert treffen, was sie ja schon vor Jahren mit dem Treffer in der chinesischen Botschaft in Belgrad bewiesen haben. „Nun sieht das Fernsehprogramm halt aus, als wĂĽrden im Aquarium die Guppis explodieren“, resĂĽmierte der Kabarettist. In diesem Zusammenhang ging es auch im Angela Merkel, „die Petze aus Meck-Pomm“, Joschka Fischer, „die gequälte Korkeiche und das politische Urgestein im Werden“ und Roland Koch, „den korrupten Albino als Hoffnungsträger fĂĽr 2006“ – und die Frage, wer wann und warum mit wem gefrĂĽhstĂĽckt hat.
Auch über die allgemeine Situation in Deutschland machte sich der Kabarettist Gedanken: Um Arbeitsämter als „die größte Scheinfirma“, um Verschwörungen und Wiedergutmachungen, die dann gut gemacht wurden, wenn sie nicht ausbezahlt werden müssen, um BSE und Rinderwahn „erst die Kuh, dann Du!“, um Ossis, die man im Gegensatz zu Eiern mehrfach in die Pfanne hauen kann. Die S-Klasse verroste auf den Halden, Sterne-Köche koksen sich vor Verzweiflung die Birne zu – und das Volk träume vom Lotto-Jackpot. Dabei sei die Rentenversicherung besser für die Nerven – da habe man die sichere Gewissheit, dass das Geld weg ist. Den Ärzten traue er nicht, „denn der Arzt ist oft gefährlicher als die Krankheit“ und „was man nicht erklären kann, sieht man gern als Rheuma an“. Da sich dort, wo ein Arzt ist, auch die Geier sammeln, zog es Heinrich Pachl vor, einen Schamanen aufzusuchen. Die riet ihm zur aktiven Gesprächstherapie, sich vor Leuten auszuquatschen, die dafür bezahlt haben.
Das Patatpublikum genoss diese Gesprächstherapie, diese irrwitzige verbale Achterbahnfahrt, in der auch der Erbach-Michelstadt-Konflikt und die neuen Sitzkissen im Veranstaltungsraum reichlich Platz und ironische Kommentare fanden. Das kabarettistische Urgestein aus Köln-Nippes unterhielt jedoch nicht nur mit zĂĽndenden Pointen – er gab seinen Zuhörern auch allerhands zum Nachdenken mit auf den Weg. (21.03.03).