First Magic Brass
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Ein helvetischer Copperfield und Musiker, die keine Kartentricks mögen

Das Schweizer Quintett Magic Brass sorgt im Patatkeller fĂĽr einen ĂĽberaus verblĂĽffenden musikalischen Abend

 â€žWir mögen es, Musik zu spielen und mögen auch Zauberei – und das am besten in Kombination.“ So erklärte der Schweizer Magier Christoph Borer in schönstem Berner Dialekt im Patatkeller dem Publikum den anstehenden Abend. UnterstĂĽtzt wurde er dabei von vier „wahnsinnig begabten“ Musiker, mit denen er gemeinsam das Quintett „Magic Brass“ bildet: Leila an der Bassposaune, Jolanda und Sir Martin am Waldhorn, Erich am Kornett und der Zauberer selbst spielte Trompete.
Musikalisch boten die fünf gut gelaunten Blechbläser eine musikalische Weltreise, vom Norden Amerikas mit Swing, Blues und Jazz über den Süden mit mexikanischen Volksweisen bis hin nach Russland. Vom Lieblingskomponisten Georges Bizet erklang die Carmen-Suite, ebenso Henry Mancinis „Pink Panther“ und einige Klassiker mehr.
Dazwischen bewies der Magier, dass Schweizer entgegen allen Vorurteilen unheimlich schnell sein können, zumindest schneller aus Odenwälder Augen schauen können. Er zerriss Noten, knäuelte die Fetzen zusammen und faltete den intakten Bogen wieder auseinander. Tücher verwandelten ihre Farbe, der Zauberer fing Münzen und Geldscheine aus dem Nichts und auch der altbekannte Seiltrick fehlte nicht. Und dann waren da noch die Kartentricks. Den Musikern, die lieber Musik machen wollten, gefielen diese überhaupt nicht, entweder dösten sie gelangweilt auf der Bühne vor sich hin oder machten Pause.
Karten stiegen wie von Geisterhand bewegt aus einem Glas heraus, dasselbe geschah auf Papier, vom Zauberer gezeichnet. FĂĽr jeden deutlich zu erkennen wuchs aus dem gemalten Stapel die Herz-Acht, deren Wert eigentlich nur ein Mann im Publikum kannte. Ein anderer zog einen beliebigen Schnipsel einer zerrissenen Zeitung aus einer TĂĽte und las darauf, ohne es zu nennen, ein Hauptwort. Der Magier las seine Gedanken und schrieb das richtige Wort auf eine Tafel.
„Ich brauche Geld!“, erklärte der helvetische Copperfield und fügte an: „ Ich bin Schweizer, alle geben uns Geld.“ Den 20-Euro-Schein aus dem Publikum verwandelte er in einen 100-Euro-Schein. Der Ursprüngliche mit den Initialen der Besitzerin blieb verschwunden. Erst viel später tauchte er wieder auf. Er steckte sich in einer Zitrone, die sich wiederum in einer verschlossenen Tüte auf einem Tisch im Publikumsraum befand. Die Tüte wurde vom Magier dort abgestellt bevor er den Geldschein erhielt und blieb während der ganzen Zeit von ihm unberührt. Einfach verblüffend und unerklärlich!
Neben dem Zaubern habe er noch ein weiteres Hobby, nämlich Anagramme. Michelstadt verwandelte er durch Umstellung der Buchstaben in „Da Milchtest“ und auch Namen von Gästen gab er in Windeseile neue Bedeutungen. Aus Anita Lunkwitz, Mareike Wolf und Carmen Jaepel wurden „Nil-Kuweit-Tanz“, „Makelfrei Wo“ und „Alpencreme Ja“ – die tiefe Bedeutung müsse jeder für sich selbst interpretieren.
Neben Musik, Zauberei und Anagrammen sorgten auch die Kabbeleien zwischen den Musikern und kleine Missgeschicke für Unterhaltung. Ob Erichs Treppensturz und die plötzlich davon fliegende Schneide des Degens wirklich geplant oder geschickt überspielte Zufälle waren, bleibt ebenso ein Geheimnis wie die Hintergründe der mehr als verblüffenden Zaubertricks. „Ich verstehe das auch nicht“, meinte Christoph Borer - Understatement gehört eben auch zu dieser grandiosen musikalischen Zaubershow. (21.11.03)