Elliot
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Knautschgesicht mit umwerfendem Charme

Der Belgier Eric Jenicot alias Elliot begeistert im Patatkeller mit einer rasante Mixtur aus Slapstick, Pantomime und Gesichtsakrobatik

Manche Menschen können mit Mimik und Gestik mehr erzählen als andere mit vielen Worten. Solch ein Exemplar sorgte im Dezember auf der Patatbühne für einen krönenden Saisonabschluss des Kleinkunstvereins. Der Belgier Eric Jenicot, derzeit auf Deutschland-Tournee, gastierte mit seiner Kunstfigur Elliot und dessen Comedy Show im Keller und bot eine rasante Mixtur aus Slapstick, Pantomime und vor allem Gesichtsakrobatik - subtile Komik, verpackt in umwerfendem Charme.
La Linea, das Strichmännchen aus dem Vorabend-Cartoon der Siebziger, schien Fleisch geworden, als der Belgier die Bühne betrat. Eigentlich wollte er singen, aber dann waren erst kein Saft auf dem Mikrophon und anschließend die Stimme weg. Kam vom Motorradfahren am Tag zuvor und weder der Doktor in Michelstadt noch die kurvenreiche Ärztin aus Erbach konnten helfen. Das erfuhr das Publikum fast ohne Worte, akustisch war nur ein krächzendes Brabbeln zu vernehmen – die Stimme war ja weg. Für Abhilfe sollte der imaginäre Helmut sorgen, mit dem Abspielen einer Kassette. Die erwies sich als wahres Teufelswerk, gab auch ohne Abspielgerät Töne von sich – und der Bandsalat sang auch noch im Bauch des Komikers weiter. Ruhe brachte erst eine Teufelsaustreibung mit reichlich Nikotin.
Aber Helmut hatte noch zwei Bonbons, eines verwandelte die Stimme zum tiefen Bass, das andere zum Sopran. In der Mischung stimmte es, nur dann hing die Zunge heraus. Auch dieses Problem löste sich, die Bonbons ließen sich noch wunderbar als Hasen- oder Vampirzähne verwenden – und Elliot sprach. Als erstes befand er Patat als seltsamen Namen für ein Theater. Muss einem Belgier zugebilligt werden, denn bei ihm zu Hause handelt es sich bei Patat um eine Tüte Pommes.
Als langhaariger Schlangentänzer beschwor er den Ledergürtel im Korb, Feuerspucken scheiterte am Feuerzeug und Elliot verliebte sich in eine Zuschauerin in der ersten Reihe. Einen Lovesong wollte er ihr singen. Nach langem choreografischem Vorspiel funktionierte die Musik nicht und das Publikum musste ran. Vor der Pause wurde geübt und danach klappte es mit dem vielstimmigen „Bömböm-Lalala“. Viel schwieriger war es für Elliot, aus dem Spagat wieder hoch zu kommen.
Jedoch nicht Liebe befand in der Luft, sondern eine Fliege. Elliot sprühte, weniger auf die Fliege als auf sich selbst und geriet auf eine langen, turbulenten Autan-Trip. Dieser verwandelte sogar den Patatkeller in die Frankfurter Messehalle, wo 9000 Fans Mick Jagger erwarteten. Das dieser für das Patat zu teuer war, kam Paul Jagger, ein entfernter Verwandter – und das Pfeifen der Rückkopplung wurde zum Ereignis. „I can’t get no satisfaction“ grölte der gesamte Keller – und das Publikum könnte gar nicht genug kriegen von diesem international renommierten und mehrfach ausgezeichneten Komiker.
In erster Linie war es sein Knautschgesicht mit den weit aufgerissenen, blauen Augen, das seine Geschichten erzählte. Wenn er vereinzelte Zuschauer nachäffte, kam gleich darauf die augenzwinkernde Entschuldigung: Alles nur Spaß! Die verbale Kommunikation mit dem Publikum erfolgte meist in sparsamem, englisch-deutschem Kauderwelsch. Die am häufigsten verwendeten deutschen Vokabeln lauteten Erbach und Michelstadt, die Elliot wechselseitig und unterschiedlich betont als gut und schlecht verwendete. Aber nicht nur sein Gesicht war ständig in Bewegung, der ganze Körper zappelte, schlängelte und tanzte unentwegt über die Bühne und der Schweiß floss in Strömen.
Im Bademantel mit Winnie Pooh-Handtuch verabschiedete sich der grandiose Komiker von seinem Publikum – und das Patat erlebte ein Novum. Nach einem formvollendeten Strip unter und hinter dem Bademantel gab es erstmals auf dieser Bühne, wenn auch nur kurz, einen nackten Hintern zu sehen. Aber auch das mit Niveau, denn ausgesprochen sexy und knackig ist dieser komische Belgier auch noch. (13.12.03).