Die Buschtrommel
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Von Lebendaktien und Weichzielen

Kabarett-Ensemble „Die Buschtrommel“ als Entwicklungshelfer in Sachen Humor auf der Patatbühne

 Die Humor-Diaspora Odenwald braucht dringend Entwicklungshilfe. Das brachte die Herren Andreas Breiing, Ludger Wilhelm und Jörg Fabirizius auf den Plan, beziehungsweise die Patatbühne. Zwecks Einführung und Förderung von Humor in strukturschwachen Gebieten, gefördert aus dem Nothilfe-Fond der Europäischen Union, reisten die drei Münsteraner  nach Michelstadt. Gänzlich unbekannt waren sie dort nicht, denn „Die Buschtrommel“, das derzeit erfolgreichste freie Kabarett-Ensemble im deutschsprachigen Raum, gastierte bereits zum dritten Mal auf der Kellerbühne.
Neben dem lustigen Hasen Hans, der neuen Leitfigur der EU-Humoroffensive und einem „bescheuerten Sauerländer“ erwartete die zahlreichen Odenwälder Fans dieser Truppe auch ein neues Gesicht. Klaus Wichmann, bestens in Erinnerung als tuntiger Major der Schwulenarmee, ist nicht mehr dabei. Für ihn kam Jörg Fabirizius neu hinzu und eine passendere Ergänzung hätte die Buschtrommel kaum finden können. Vom Publikum wurden die Drei frenetisch gefeiert und es flossen auch reichlich Tränen – vom Lachen.
Denn auch in neuer Formation trommelt das Trio gewaltig auf den Busch. Ein neuer Regierungssprecher wurde gesucht, das neue Verhandlungstempo nach der Justizreform vorgestellt oder nach Alternativen zu einem so „unanderem Leben“ – „Zahnspange, Messdiener, vom Pfarrer missbraucht, also ganz normal“ – gesucht. „Aber Vergewaltigen, Brandschatzen und Kriege anzetteln kann man auch nicht den ganzen Tag machen“.
Mit Schumi-Krawatte um den Hals zeigte Jörg Fabrizius den Weg zum Erfolg auf: Die Lebendaktie in Form seines Sohne Kevin. Verschleißteile wie Menisken und Bänder wurden schon prophylaktisch ersetzt und Adrenalin-Depots in seinen Herzkammern angelegt, im Hinblick auf die Karriere als hängende Sturmspitze bei Borussia Dortmund. Einfach köstlich als Kevin: Andreas Breiing.
Fabrizius und Breiing erwiesen sich auch bei der Bundeswehrnummer als ideales Gespann. Unteroffizier und Major erklärten den „Weichzielen“ im Raum, wie sie sich verhalten müssen, wenn Osama Bin Laden ins Patat kommt, sich eine Eintrittskarte kauft und eine Handgranate zündet – und: „Nur der Überwachungsstaat macht die Freiheit sicher.“ Besonders im Umgang mit Versprechern, Hängern und spontanen Textänderungen erinnerte dieses Duo ein wenig an die Kabarett-Urgesteine Hildebrandt/Schneyder.
Zusammen mit Ludger Wilhelm ging es dann hart an jene Grenze, bei der das Lachen im Hals stecken bleibt. Als Abordnung des Innenministeriums begrüßten sie auf Airport Rhein-Main Südjemeniten und Nordkoreaner, die es nach Ostwestfalen zieht sowie weitere Asylanten. „Ob Springflut oder Springerstiefel – Ihr habt auch hier keine höhere Lebenswartung“ erklärten sie den potentiellen Einwanderern die Wahrheit über Deutschland. Für den letzten Neger, beziehungsweise Multipigmentierten, der nicht gleich wieder zum Abflugschalter rannte, gab es das finale Begrüßungslied, mit Baseballschläger in der Hand. Dem folgte nur noch die Mitteilung an Otto Schily: Das neue Einwanderungskonzept funktioniert.
Als Goldkettchen-Prol im Trainingsanzug fragte Ludger Wilhelm: Wie bringt man die verstorbene Oma am billigsten unter die Erde? Schlussendlich wurde sie im heimischen Allesbrenner eingeäschert und die Urne unter einem Pflasterstein der Düsseldorfer Kö vergraben. Den echten Westfalen im grünen Ölzeug gab Publikumsliebling Andreas Breiing mit einem medizinischen Vortrag über Westfälische Heilmittel wie Korn, Ramazotti, Ouzo oder Wodka gegen verstrahltes Obst, Pestizide im Salat, Gengetreide und alle möglichen Tierseuchen.
Als RAF, Rentner-Armee-Fraktion, wetterten die Drei gegen den niedersächsischen Lügenbaron, den brutalst möglichen Koch aus Hessen, der zwischen zwei Lügen einmal atmet und deshalb ständig hyperventiliert und überhaupt gegen Politiker, die sowieso „alles Verbrechers“ sind. Mit ihrem Vereinslied – „Notwehr ist im Verein am Schönsten“ - forderten sie auf „Leistet Widerstand gegen die Polit-Mafia im Land“ – aber alles wagte sich auch die „Buschtrommel“ nicht zu sagen: „Andernfalls Prozess am Hals!“
Am Ende dieser grandiosen Mixtur aus schwärzestem Zynismus und umwerfender Komik gab es noch ein Kompliment an die Humor-Diaspora Michelstadt: „Wunderschöne Altstadt – im Mittelalter muss hier echt was los gewesen sein“ (22.11.03)