Buelant Ceylan
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Voll krass, dieser halbtĂĽrkische Mannheimer

Der Mannheimer Comedian BĂĽlant Ceylan serviert im Patatkeller Ethno-Comedy mit geistreichem Wortwitz – und das Publikum

 â€žHallo, isch bin de Harald“, begrĂĽĂźte der junge, langhaarige Mann in breitestem Mannheimer Dialekt am Wochenende auf das Patatpublikum und fĂĽgte an: „Gell, ihr habt eigentlich einen TĂĽrken erwartet“. Aber das Publikum ergötzte sich gerne erst mal an Harald, der einen Intelligenzquotienten in der Nähe dem des Kartoffelsalats hat, bei GĂĽnter Jauch nicht wusste, ob der Ex-Kanzler Helmut oder Hannebambel heiĂźt und nur Thunfisch mit hohem Delfinanteil isst, weil er dann besser flippern kann.
Harald ist eine Paradefigur im Programm „Produzier mich net!“von BĂĽlant Ceylan, 27 Jahre jung, „halbtĂĽrkischer Mannheimer“,ein viel versprechendes Talent im Bereich der intelligenten Comedy und inzwischen schon häufig auf verschiedenen Fernseh-Kanälen zu Gast. Neben Harald und dem Hausmeister Mampfred Bockenauer, einem weiteren,  leicht dämlichen „Mannemer“, hatte Ceylan auch tĂĽrkische Vertreter in seinem Repertoire. Das „WeiĂźt Du-guckst Du-isch mach disch platt“ der Ethno-Comedian-Welle beherrscht er schlieĂźlich auch.
Da war Aslan, der verschlagene, türkische Gemüsehändler, Fahrer eines Ford Transit mit Vorhang, der vor 50 Jahren, also ungefähr 1991 nach Deutschland kam, aber keinen deutschen Pass will, weil da immer das selbe Geburtsdatum drin steht. Hassan, der Ethno-Macho-Türke mit Goldkette, hüftbetontem Gang, eigenwilligem Umgang mit Fremdwörtern und „voll krass“ mit „korrekte Hallebadekapp“ drohte dem Tontechniker „Produzier mich net, ich weiß wo dein Haus wohnt“ – aber alles nur, um den Frauen zu „imprägnieren“.
Der Papst, der Mann mit Gummiallergie, sprach über Segen und Sägen und forderte für jeden Geistlichen einen Ministrand zum drauflegen. Der Geo-Graf jonglierte mit geografischen Wortspielereien und auch eine Frau bereicherte die deutsch-türkisch-römische Männerunde: Soja aus der Sesamstraße, die im Moment sehr (l)einsam, aber vom Hafer gestochen ist, plauderte intime Geheimnisse aus, aber rein biologisch und mit reichlich Österreicher-Schmäh.
Bülant Ceylan tanzte, rappte, kalauerte in Mannheimer Platt und Türken-Deutsch, zog Grimassen – und fragte sich laut: „Was mache ich eigentlich für einen Schwachsinn auf der Bühne?“ Er stellte aber gleich fest: „Wenn man das Publikum erst mal hat, kann man jeden Blödsinn machen!“
Und sein Publikum hatte er von Anfang an im Griff, es fraß ihm regelrecht aus der Hand. Mit der ersten Reihe war er sofort befreundet: „Isch sach einfach Du zu Ihnen!“ Mampfred, der Hausmeister mit der „Bumbääwassazong“, brachte das Auditorium sogar dazu, sich selbst zum Affen zu machen. Alle standen auf, fassten sich an den Händen und hüpften – um die Bodenfestigkeit zu testen. Ein bedauerndes „Och schade!“ war allerdings zu hören, von weiblicher Seite, als Hassan seinen begonnenen Strip schon beim Gürtel beendete.
Zwei Stunden lang brachte der sympathische Student der Philosophie und Politik sein Publikum in rasantem Tempo zum Lachen und Toben, hin und wieder mit so intelligent verworrenem Wortwitz, dass die Lacher zeitverzögert  kamen. Eine wahrlich gelungene Mixtur aus umwerfender Comedy und geistreichem Kabarett, die dem Kleinkunstverein Patat zwei komplett ausverkaufte und fĂĽr das Publikum unvergessliche Abende bescherte. (12.09.03)