Bill Haley & His Comets Revival
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Rock’n’Roll tobt durch das Gewölbe

„Bill Haley & his Comets Revival“ entfesseln das Patatpublikum und sorgen für ausgelassene Party

Der Rock’n’Roll lebt und auch sein Vater Bill Haley ist, ungeachtet seines Todes vor über 20 Jahren, noch gegenwärtig. Das offenbarte sich im Michelstädter Patatkeller, wo „Bill Haley & his Comets Revival“ das Gewölbe erbeben ließen.
In authentischem Outfit, großkarierte rote Jacketts zur Schmalztolle, zelebrierten die fünf Herren aus dem Ruhrpott die Musik des „Indisputing King of Rock'n'Roll“. Frontmann und LeadsängerJoe "Bill" Clifton, beziehungsweise „Bill Haley junior“ kauderwelschte deutsch-amerikanisch seine Ansagen und kabarettistischen Einlagen, Mani Litle bearbeitete den Kontrabass, natürlich auch in der Horizontalen. U „Bam Bam“ Cellarhope bewies sich als hervorragender Drummer, wenn seine Kollegen in nicht gerade fertig machen oder er seiner Trommel durch den ganzen Saal nachlaufen musste. Auch Denis „Rudy“ Teabone mischte sich mit seinem Saxophon ebenso unter das Publikum wie Leadgitarrist Nobby Soulback. Es versteht sich von selbst, dass die Herren an ihre Vorbilder angelehnte Künstlernamen tragen, schließlich geht es um Rock’n’Roll – und der kam heftig. Von „Rock around the Clock“ bis „Crocodile Rock“ boten die legitimen Nachfahren des Gründervaters einen umfassenden Ausschnitt aus dessen künstlerischem Schaffen. Darunter mischte sich jede Menge Comedy, denn so ganz ernst nehmen sich die Rock’n‘Roller selbst nicht. Auch das Publikum wurde mit einbezogen, ob aufgefordert als besungene Hannelore auf der Bühne oder aus freien Stücken und in wild tanzender Weise vor der Bühne. Selten herrschte im Gewölbe so ausgelassene Partystimmung.
Der Rock’n’Roll schwappte vor einem halben Jahrhundert über den großen Teich ins alte Europa, wurde von den Jungen geliebt und den Alten gefürchtet. Der 1925 in Michigan geborene Bill Haley war 1951 der erste, der Rhythm & Blues mit Country-Music kombinierte und damit diesen neuen Stil schuf, der als Rock’n’Roll die Musiklandschaft revolutionierte. Der Siegeszug rund um den Globus begann. Davon hielten auch keine Verbote ab, die vorallem in Amerika verhängt wurden, weil junge Menschen während der Konzerte randalierten. Ab 1952 eroberten Bill Haley und seine Comets, in großkarierten roten Jacketts, mit ihrem „Teufelswerk“ Rock’n’Roll die Welt, prägte das Lebensgefühl einer ganzen Generation. 1981 starb Bill Haley an Herzinfarkt in seiner mexikanischen Villa, aber seine Musik lebte weiter. Seine Band, die Comets kehrte 1989 noch einmal auf die Bühne zurück und zu einem Konzert in Bristol war auch die deutsche Kopie, die Haley Revial-Band aus dem Ruhrpott eingeladen. Beeindruckt von der musikalischen und äußerlichen Originalität der Deutschen erklärten die Amerikaner sie zu würdigen Nachfolgern und erlaubten ihnen offiziell die Nutzung des Namens. Comet Marshall Lytle soll gesagt haben:„Ich sah Bill und mich, 40 Jahre zuvor!“
Die Erfolgsgeschichte von „Bill Haley & his Comets Revival“ begann. Auslandstourneen durch ganz Europa, Oldie-Festivals mit den Lords, den Tremelous, Suzy Quatro, Marmelade, Chris Andrews, Dave Dee und anderen standen auf dem Programm der „Besten Deutschen Double-Band“, zu der sie 1989 von einer Fachjury gewählt wurden. 1993 folgte der Fachmedienpreis „Beste Revival-Band“. Zwei CD sind auf dem Markt, Funk- und TV-Auftritte an der Tagesordnung und auch ansonsten ist der Terminplan gut gefüllt. Die Besetzung hat zwar im Laufe der Jahre gewechselt, die Qualität und Authentizität blieb stets auf gleich hohem Niveau.
Bill Haley, der Rock’n’Roll-Pionier, galt als absoluter Meister, was das Feeling für sein Publikum und den Beat seiner Musik betraf. „Bill Haley junior“ und seine Comets Revival haben sich auch diesbezüglich vom musikalischen Vater Einiges abgeschaut. Das Patat-Publikum war gleichermaßen ge- und entfesselt. Zahlreiche Gäste, die am Freitag dieses grandiose Rock’n’Roll-Feuerwerk erlebten, hatten nach einem Abend noch lange nicht genug und rissen sich fast um die Restkarten für die Samstagsvorstellung. (08.02.03)