Bernd Kohlhepp
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Hämmerle und die erste Reihe

Der schwäbische Bernd Kohlhepp begeistert mit akzentfreiem Hochdeutsch und umwerfender Komik

Baden-Württemberger und damit auch Schwaben können bekanntermaßen alles – außer Hochdeutsch. So gesehen ist der Kabarettist Bernd Kohlhepp ein Ausnahmefall, denn beherrscht seine Muttersprache akzentfrei. Aber wenn er in die Rolle des Herrn Hämmerle schlüpft, schwäbelt er, was das Zeug hält.
„Hämmerle III – ein Mann räumt auf“ heiĂźt Kohlhepps aktuelles Kabarettprogramm, mit dem er am Samstag nunmehr zum dritten Mal im Kleinkunstkeller Patat gastierte. Sofort schloss er Freundschaft mit der ersten Reihe und lebte diese das gesamte Programm ĂĽber aus. Dann ging es ans Aufräumen, wobei ein aufräumender Mann ein Widerspruch in sich sei. SchlieĂźlich gibt es geschlechtsspezifisches Reinigungspersonal, wie Herr Hämmerle wusste. Aber Ordnungssinn lässt sich selbst Männern beibringen, wenn auch mĂĽhsam. So räumte er den Keller auf, irrtĂĽmlich aber nicht seinen, sondern den vom Hambacher, sein Kumpel mit dem Beinamen Drecksack.
Zwischendurch kam auch die Nachbarin Frau Schwertfeger auf die Bühne und klagte, die sie immer nur tanzen wollte, die Männer jedoch stets das Eine: Zwiebelrostbraten. Ein trotteliger Feuerwehrmann pries die verschiedenen Löschvarianten, von Löschen Premium in historischen Kostümen mit parfümiertem Wasser zu den Klängen der Don Kosaken bis zum Löschen Junior, das sich aufs reine Trösten beschränkt. Zum Retten könne er allerdings nicht gezwungen werden, er sei schließlich bei der freiwilligen Feuerwehr. Das Schwäbeln unterließen nur der polnische Klempner auf der Suche nach Dichtung, Wahrheit und inkontinenten Wasserrohren - und Bernd Kohlhepp als er selbst.
Und der konnte noch Einiges mehr: Er sang, tanzte und trug Gedichte vor. Zum Beispiel die Ode vom Estrich, seine persönliche Variante des Erlkönigs, schaurig-schön in Szene gesetzt von einer Schreibtischlampe. Oder lyrische Exzesse wie „Weil ich viele Kleider bügel, brauch ich viele Kleiderbügel“. Auf der imaginären Tuba trug er die kleine Nachtmusik und Satisfaction vor – allerdings nur einen Ton davon, denn Schwaben sind ja sparsam. Das Instrument half ihm auch mehr bei der Selbstfindung, denn „Du bischt, denn Du bischt Tubischt“.
Für die beklagenswerten ausgepressten Zitrusfrüchte fragte er musikalisch „Kennt Ihr das Leid, das den Zitronen blüht?“. Ausgesprochen emotional erklang das Klagelied für das tote Werkzeug vom Hambacher und leidenschaftlich tanzte Kohlhepp den Tango – mit einem Staubsauger. Mit dem Publikum löste er Kreuzworträtsel: Kleiner Mann mit vier Buchstaben? Ein Erle! Schwäbisch natürlich – aber die „fremde Rasse“ im Keller verstand es.
Nachdem alles an „Krusch, Gelump und Zeug“ aufgeräumt war, inszenierte Kohlhepp seinen Schlussapplaus und für einen Kuss aus der ersten Reihe gab es noch eine Zugabe. Improvisieren konnte der Schwabe auch, im letzten Lied kam die gesamte erste Reihe vor und es reimte sich sogar. Offensichtlich können sie wirklich alles, diese Schwaben, und dieser schwäbische Ausnahmefall ist dabei noch umwerfend komisch. (03.05.03)