Anton Le Goff
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Der Stress des Single-Daseins

Maja Wolff jagt als Anton Le Goff das Patatpublikum kreuz und quer durch die Beziehungsdramen  

Drei essentielle Fragen bewegen die Menschen: Wann, wie und wo lerne ich jemanden kennen? Wann, wie und wo vergesse ich ihn wieder? Und was soll das alles? Die Antworten darauf gab Anton Le Goff, der schönste Mann Frankfurts, der eigentlich Maja Wolff heißt und eine Frau ist.
„Heute schon gesucht?“ heißt das aktuelle Chanson- und Kabarettprogramm der Schauspielerin und Sängerin aus der Mainmetropole, mit dem sie am Samstag im Michelstädter Kleinkunstkeller Patat gastierte. Es ging um ehemalige und eventuell künftige Beziehungen und die Einsamkeit des Single-Daseins. Antons ehemalige heißt Claudia, die spontan lesbisch wurde und nun mit ihrer Physiotherapeutin Brigitte zusammen lebt. Leidensgenossen im weiteren Sinne fand der smarte Macho im Patatkeller: Auf die Frage, wer in einer befriedigenden, dauerhaften Beziehung lebe, meldete sich im Saal niemand. Diese Gemeinsamkeit wurde mit einem kollektiven, Unterleib betontes, dreifachen „Uh!“ besiegelt und es stand für unglücklich, unzufrieden, unbefriedigt.
Unbefriedigend war auch Anton Le Goffs bisherige Suche nach einer neuen Partnerin, noch nicht einmal fürs „Saturday Night Fever“ fand er eine. Dabei hat er alles versucht: Museen mit langen Öffnungszeiten, ein verlängertes Adonis-Wochenende im Wellnesshotel inklusive Penisverlängerung mittels Selbsthypnose oder ein Hund zwecks Anbandeln im Grüneburgpark – aber es wollte kein Date für den Samstag zustande kommen. Psychoanalyse war keine Alternative, dauert zu lange. Bei einer Transaktionsanalyse verwandelte sich Anton fast in Claudia und rasierte sich versehentlich die Achselhaare. Als wirklich einmal eine Party anstand, bekam Anton Drüsenfieber, stressbedingt. Und überhaupt waren sich sie Frauen ihrer historischen Verantwortung, Singlemännern den Samstagabend zu versüßen, irgendwie nicht bewusst.
Aber es gibt ja auch ein friedliches Leben ohne Frauen, erkannte der Verlassene – zum Beispiel in der Fremdenlegion. Allerdings müsse er dort töten und gemeinsam mit tätowierten Schwerverbrechern duschen. Kam also nicht in Frage, bleib noch das Kloster. Aber der Abt legte auf, als Anton telefonisch um Aufnahme als Novize anfragte. Lag wohl an den unfrommen, gregorianischen Gesängen, die Anton gemeinsam mit dem Keyboarder Felix Mantel zum Besten gab.
Zwei Stunden jagte Maja Wolff als Anton Le Goff das Publikum mit reichlich Witz, Temperament und Selbstironie kreuz und quer durch die Beziehungsdramen, hinreißend komisch, aber auch nachdenklich, melancholisch, verletzlich. Felix Mantel war dabei mehr Bühnenpartner als nur musikalischer Begleiter. Sie sangen im Duett, tanzten zusammen, stritten sich – und Regie führte Jo van Nelsen, der selbst schon einige Male auf der Patatbühne stand.
Wirklich konstruktive Antworten auf die essentiellen Fragen gab es nicht, aber Anton machte zumindest ein wenig Hoffnung: „Vielleicht passiert es ja nächsten Jahr, vielleicht morgen, vielleicht auch heute schon“ – denn „Everybody need Somebody to love“. (30.08.03)