ABBA jetzt!
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Abba-Hits und reichlich Zoff

Drei Herren im Frack singen, tanzen und streiten wie die schwedischen Pop-Ikonen – nur noch etwas schräger

Zur selben Zeit, als Ralph Siegel am Samstag beim Schlager-Grand Prix in Lettland ein weiteres kleines „Waterloo“ erlebte, wurde im Michelstädter Patatkeller der Gruppe gehuldigt, die vor 29 Jahren mit ihrem „Waterloo“ den Wettbewerb gewann. Die vier Schweden Anna-Frid, Benny, Björn und Agnetha – zusammen Abba – starteten damals ein internationale  Karriere und sind noch heute, nach den Beatles, die zweiterfolgreichste Popgruppe weltweit.
Eine unverschämte Hommage an die schwedischen Popgötter stand unter dem Titel „Abba jetzt!“ auf dem Spielplan der Kleinkunstbühne, dargeboten von drei befrackten Herren, den Sängern und Schauspielern Tilo Nest und Hanno Friedrich sowie dem hervorragenden Pianisten Alexander Paeffgen. Gleich zu Beginn – nachdem der Pianist andächtig die schwedische Fahne an dem Tischfahnenständer gehisst hatte – klärte Tilo Nest das Publikum auf: „Das wird kein billiger Trulli-Trulli-Abba-Revival-Abend, 70er-Jahre-Gesocks und Schlaghosenfetischisten werden nicht befriedigt und könnten gleich wieder gehen“.
Aber sie blieben alle und erlebten die groĂźen Hits der Schweden in völlig neuen, teilweise skurrilen Interpretationen. „Dancing Queen“ wurde zur Samba, „S.O.S.“ hochgradig verrockt, „Knowing me, knowing you“ verjazzt. „Money-Money“ verschmolz mit „Money makes the World go around“ aus „Cabaret“, „Super Trouper“ mit Freundeskreis zu einem lässigen Rap -  aus Anna wurde natĂĽrlich Abba. „I Do, I Do…“ erklang im Stil des „Bonner Vista Social Clubs“, “I had a dream” als Schmachtfetzen “Ich hab’ ’nen Traum”. Auch die „geschmacklose Mode“ Rock meets Classic forderte ihren Tribut: Hermann Prey und Bob Dylan sangen „One of us“ im Duett. „Chiquita“ erklang – an diesem Grand-Prix-Abend absolut trendy - in TĂĽrkisch, bis der Pianist das Kabel rauszog. „Rock me“ erinnerte an Elvis, „Waterloo“ versank im BĂĽhnennebel, „Mamamia“ kam spanisch und „Thank you for the music“ zum Abschluss als RausschmeiĂźer.
Aber die drei Herren sangen und musizierten nicht nur, herrlich komisch waren auch die Abba-typischen Tanzeinlagen. Noch besser als ihre Vorbilder beherrschten die Drei, besonders die Herren Sänger, allerdings die Kunst des Streitens. Es zoffte gewaltig auf der Bühne und das Publikum wurde einbezogen. Der Streit wirkte streckenweise beängstigend echt und bis zur rührenden Versöhnung dauerte es ein wenig zu lange. Der Pianist hielt sich weitestgehend raus und ließ lieber pustend das Schwedenfähnchen flattern. Fürs Publikum gab es Abba-Artikel zu gewinnen, allerdings aus der gleichnamigen schwedischen Fischfabrik.
Während sich Hanno Friedrich als Abba- und Anna-Fried-Fan outete, gestand Tilo Nest ein, dass ihm Abba und dieses Programm seit fĂĽnf Jahren körperliche Schmerzen bereiten. Diese Kombination ist wohl nötig, um die Erfolge der Pop-Ikonen so frech und respektlos und gleichzeitig liebevoll zu verhunzen. Abba-Fans mag das zu weit gegangen sein, Abba-Hassern vielleicht nicht weit genug. Den meisten SpaĂź hatte am Ende vermutlich doch jenes 70er-Jahre-Gesocks, das Abba und ihre Tralala-Songs schon  damals im Original als eher komisch empfand. (24.05.03)