Finkenbach 2000
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Guru Guru Festival in Finkenbach – eigentlich alles fast wie immer

Massive Polizeikontrollen beeintrÀchtigen das legendÀre Happening nur am Rande

Eigentlich war dieses Jahr in Finkenbach beim Guru Guru-Festival alles wie immer: Das Dorf eine riesige Zeltstadt mit bunten Basaren,  reihum strahlende Gesichter, ein harmonisches, völlig aggressionsfreies Miteinander, gute Musik, freundliche Gastgeber, hervorragende Bewirtung, zufriedene GĂ€ste – eine perfekte Veranstaltung, “irgendwie  wie Urlaub”, wie einige Besucher befanden. Dieses gewohnte Bild fĂŒhrten dazu, dass gewissen Vorkommnisse bei allen  Beteiligten schon im Laufe des Wochenendes immer mehr in den Hintergrund rĂŒckten. Denn auch fĂŒr die Finkenbacher selbst war es ein irritierender Anblick,  am Ortseingang von Uniformierten in schusssicherer Weste und einem Maschinengewehr im Arm empfangen zu werden.
Wie die Medien großartig berichteten, fanden im Vorfeld der Veranstaltung  massive Polizeikontrollen statt, was nicht nur bei den Festivalbesuchern auf UnverstĂ€ndnis stieß. Schließlich ist die Veranstaltung schon seit den siebziger  Jahren eine feste Institution und bekannt fĂŒr ihren harmonischen Ablauf. Noch nie gab es irgendwelche gewalttĂ€tigen Auseinandersezungen oder durch Drogen hervorgerufene Probleme, auch nicht aus Ă€rztlicher Sicht, wie Dr. Roland Krauhs, langjĂ€hriger Rothenberger DRK-Vorsitzender bestĂ€tigte. Zeckenbisse, kleine SchĂŒrfwunden oder neuerdings auch hin und wieder einmal ein entzĂŒndetes Bauchnabel-Piercing – mehr hatte seine Bereitschaftsgruppe in all den Jahren nicht zu verarzten.
Positiv machte sie in diesem Jahr der Einsatz einer auffallend freundlichen  Security-Gruppe bemerkbar, die den Verkehr regelte, die Besucher auf Park- und CampingplĂ€tze einwies und somit fĂŒr freie Rettungswege und einen geordneten Ablauf sorgte. Ohne diese Neuerung wĂ€re das Dorf dem Ansturm der Besucher kaum gewachsen gewesen. Die Besucherzahl lag irgendwo zwischen zehn- und zwanzigtausend, genau ist das nicht auszumachen, denn die Anzahl der verkauften Eintrittskarten macht lediglich einen kleinen Bruchteil aus. Viele kommen einfach nur, um das Ambiente zu geniesen, campieren irgendwo auf der Wiese und veranstalten ausgerĂŒstet mit Musikanlagen ihr eigenes Fest. 
Das Konzert selbst gerĂ€t dabei unverdienterweise immer mehr ins Hintertreffen. Auch in diesem Jahr hatte Mani Neumeier, Frontmann von Guru Guru, Wahl-Finkenbacher und Initiator des Festivals ein interessantes, abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Den Anfang machte an  beiden Abenden die Schachtelband Finki, lauter Finkenbacher Kinder, die auf selbstgebastelten Trommeln und der Anleitung des Ober-Guru fĂŒr Rhythmus sorgten. Die “Moonbees” boten eine wahnwitzige Show aus fetzigem Sound, skurrilen Tanzeinlagen und abgedrehten TextvortrĂ€gen. Frauenpower pur kam  mit den “Pistolettes” auf die BĂŒhne, vier Ladys aus Mannheim, die bewiesen, dass fetter, satter Rock nicht nur MĂ€nnersache ist. “The Gustke Brothers”, elfjĂ€hrige ZwillingsbrĂŒder, zeigten, was der musikalische Nachwuchs drauf hat. Afrikanische KlĂ€nge vom Allerfeinsten boten “Jobarteh Kunda”, indische EinflĂŒsse prĂ€gten die Musik der “Dissidenten”, die seit mehr als zwanzig Jahren als die wahre Paten des Ethno-Beat gelten. Den Hauptpart des Programms bestritten natĂŒrlich “Guru Guru” als feste Formation sowie einzeln mit anderen Musikern zusammen wie bei “Joa” und “Freewinds” oder Manis neuestem Projekt “Voodoo Trance Lover”. Der Auftritt von “Joint Venture” fiel aus, da Martin Simon, eine HĂ€lfte des Duos, kĂŒrzlich mit 33 Jahren einem Herzinfarkt erlag.
Am Sonntag begann langsam der Abreiseverkehr, aber im nĂ€chsten Jahr geht es weiter, wie BĂŒrgermeister Hans Heinz Keursten zusicherte. Er hatte an diesem Wochenende keine ruhige Minute, denn das Festival ist fĂŒr ihn als Ordnungsbehörde inzwischen “Chefsache”.
Umhergehende GerĂŒchte, dass die Polizeiaktion zum Aus der Veranstaltung  fĂŒhren sollte, entbehren jeglicher Grundlage. Hervorgerufen war diese einzig und allein durch Veröffentlichungen in Szene-Magazinen, die Finkenbach in Sachen Drogen zum gesetzesfreien Raum erklĂ€rten. So sah sich die Polizei in Zugzwang - und dass der Odinwald wahrlich kein Kifferparadies ist, hat der Einsatz deutlich gemacht. Der Erbacher Polizei muss dabei zugute gehalten werden, dass ihr die friedliche Klientel bekannt war und die hiesigen Beamten daher ohne Maschinengewehre auskamen. DafĂŒr boten die Erbacher gehörige Portionen an Geduld und sogar Humor, wenn beispielweise Festivalbesucher fragten, ob sie vielleicht ein VerlĂ€ngerungskabel zu verleihen  hĂ€tten oder mal schnell das Auto aufbrechen könnten, weil der SchlĂŒssel eingesperrt ist. Auch ansonsten ließen sich die Cops in gewohnter Weise  verĂ€ppeln, was wohl auch nur in Finkenbach möglich ist. Der Finkenbach-Virus erfasst offensichtlich jeden, der einmal dort Festivalluft geschnuppert hat, und er scheint immun zu machen gegen Gewalt, Aggression und böse Worte.

Und was hat die Polizei nun tatsÀchlich gefunden? Hier deren eigener Bericht:

AngekĂŒndigte Kontrollen im Vorfeld des Finkenbacher  Guru-Guru-Festivals bestĂ€tigen die EinschĂ€tzung der Polizei. Das Konzept war erfolgreich, die Kontrollen zeigten Wirkung. Festnahmen, Sicherstellungen, Durchsuchungen und Strafverfahren sind die Folgen.
Mit starker UnterstĂŒtzung der benachbarten Dienststellen und in Kooperation mit der Polizei des Nachbarlandes Baden  WĂŒrttemberg fĂŒhrte die Polizeidirektion Erbach seit Mittwoch, den 19.07.2000 starke Vorkontrollen beim anreisenden Publikum zum Finkenbacher Rockfestival durch.
Unter Leitung der Polizeidirektion Erbach wurden die unterschiedlichsten SpezialkrĂ€fte der Hessischen Polizei fĂŒr diese  Einsatzmaßnahmen zusammengezogen. PolizeihundefĂŒhrer, mit und ohne RauschgiftspĂŒrhunde, Bereitschaftspolizei, Beamte der Sicherheitskooperation Hessen/ Baden WĂŒrttemberg, die Zollfahndung, Kriminalbeamte aus den Fachkommissariaten der DrogenbekĂ€mpfung und Beamte der Polizeidirektion Erbach hatten den Auftrag, die Sicherheit und Ordnung in dem ansonsten  ruhigen Finkenbachtal aufrecht zu erhalten, die Sicherheit des Verkehrs zu gewĂ€hrleisten und insbesondere den Handel und Gebrauch von BetĂ€ubungsmitteln zu verhindern. Ziel war es vor allem, durch gezielte Selektion die HĂ€ndler zu erwischen.
Die Polizei war dabei bemĂŒht, wĂ€hrend des Rockfestivals, das bisher stets friedlich verlaufen war, nicht mit einer ÜberprĂ€senz zu  dominieren. Daher lag der Schwerpunkt der Maßnahmen auf den Vorkontrollen. Um das gesamte Einsatzkonzept, auch im Hinblick auf die Sicherheit der eingesetzten Polizeibeamten zu gewĂ€hrleisten, waren tĂ€glich bis zu 60 Beamte im Einsatz. Nicht zu vergessen, die stillen Helfer im Hintergrund, Verpflegung, Versorgung und technische Hilfeleistung.
Es wurden 609 Personen ĂŒberprĂŒft und 260 Durchsuchungen durchgefĂŒhrt. 1202,96 g BTM wurden sichergestellt, darunter  Haschisch, Marihuana, HaschplĂ€tzchen, Tabletten, Pflanzen und erstmals im Odenwaldkreis sogenannte “Brainkiller”. Es wurden 26  Strafanzeigen erstattet, 8 Sistierungen (damit meinen sie ÜberprĂŒfung der Personalien, also kurzfristige Festnahme, Anm. Odin) und eine Person ging in Haft. Beschlagnahmt wurden außerdem 24.404,- DM, 247 US-Dollar, 5060 indische Rupien und 10 Ch. Franken.

Odin wundert sich: Insgesamt also 1202,96 Gramm BetĂ€ubungsmittel – obwohl am Freitagabend im Radio schon von zwei Kilo  Hasch die Rede war und die örtliche Presse gar von kiloweise Haschisch berichtete. Entweder haben die Cops am Brainkiller genippt und die Zahlen etwas durcheinander geworfen oder die Differenz zwischen den zwei Kilo und und den ĂŒbriggebliebenen 1200 Gramm haben sich auf wundersame Weise verflĂŒchtigt. Da nirgendwo ein Uniformierter derartige Ware feilbot, bleibt in diesem Fall eigentlich nur die Möglichkeit, dass sie selbige höchstpersönlich verkonsumierten. Vielleicht waren sie deswegen so gut drauf ?!  Und damit Odin fĂŒr diese Mutmaßung keins auf die MĂŒtze bekommt, hier der Hinweis fĂŒr die weiß-grĂŒnen Freunde:

Odins MitgefĂŒhl ist auf der Seite all jener, deren Kontakt mit den Jungs in GrĂŒn nicht ganz so lustig war wie  sein eigener, gleichgĂŒltig, ob sie nun wegen der “Wahnsinnsmenge” von 600 Gramm die Staatsanwaltschaft oder wegen 1,6 Gramm die FĂŒhrerscheinbehörde im Genick haben.

Übrigens: Im Odinwald gibt es Feste, von denen locker an einem Abend zehn bis 15 Alkoholleichen ins Kreiskrankenhaus transportiert werden mĂŒssen. Aber Saufen ist ja schließlich nicht verboten!