Molkerei Kohlhage
Index
OdinPrawda
OdinWald
OdinKultur
OdinReise
OdinSport
Impressum
OdinHistory
OdinWälder

Qualitätsmerkmal der Produkte: Regionale Herkunft 

Hüttenthaler Molkerei verarbeitet seit über 100 Jahren Milch aus dem Odenwald

Mitte der sechziger Jahre gab es in Hessen 165 Molkereien, heute sind es nur noch neun. Im Odenwald waren es ehemals sechs, wovon als Einzige im gesamten südhessischen Raum die Hüttenthaler Molkerei übrig geblieben ist. Und diese vor ein paar Jahren ihr hundertjähriges Bestehen. Gleich nach der Jahrhundertwende wurde sie als genossenschaftlicher Betrieb gegründet und gehörte den Milchlieferanten. Wilhelm Kohlhage, Großvater des heutigen Molkereichefs Kurt Kohlhage, war zu dieser Zeit Betriebsleiter in der Molkerei Beerfelden und wechselte 1907 nach Hüttenthal. 1912 kaufte er den Betrieb und es erfolgte die Umwandlung in eine Offenen Handelsgesellschaft sowie Modernisierung und Vergrößerung. 1918 wurden täglich 800 bis 1000 Liter Milch verarbeitet, und der Auszahlungspreis lag bei 32 Pfennig pro Liter,  Anfang der fünfziger Jahre lieferten 360 Milchbauern aus neun Ortschaften des Odenwaldkreises und des Landkreises Bergstraße im Jahresdurchschnitt 6000 bis 8000 Liter pro Tag. Im Vergleich dazu: Heute wird die doppelte Menge von nur 20 Milchlieferanten erbracht.
1960 starb Wilhelm Kohlhage, die Molkerei übernahm sein Sohn Fritz mit Ehefrau Ella. Mit Disziplin, Fleiß und Durchhaltevermögen  führte er den Betrieb durch die schwersten Jahre. Sein Tag begann um 5 Uhr früh, vormittags wurde gekäst,  nachmittags verkauft und bis Mitternacht saß er im Büro – und das jeden Tag, auch sonntags. In den siebziger Jahren kam die Personalnot, die Arbeitnehmer wanderten ab in Großbetriebe mit günstigeren  Arbeitszeiten und besseren Sozialleistungen. 1979 wurde von Kannenanfuhr auf Milchsammelwagen  umgestellt, was die Arbeit für Bauern und Molkerei deutlich erleichterte. Die tägliche Milchanlieferung betrug 1981 durchschnittlich 11.000 Liter pro Tag, erbracht von 78 Lieferanten zu einem Auszahlungspreis von 62,3 Pfennig pro Liter. Die Rechtsform wechselte in Kommanditgesellschaft und die Hüttenthaler Molkerei war die einzige Privatmolkerei Südhessens. Produziert wurde damals schon  der jährlich DLG-prämierte Frühstückskäse und der Schichtkäse sowie Butter, Speisequark, Schlagsahne, Dick-, Butter- und Vollmilch.
In den achtziger Jahren schlossen zahlreiche Molkereien und die Hüttenthaler fragten sich: Haben wir eine Chance? Die Existenz war ernsthaft bedroht und die Entscheidung stand auf der Kippe. Dann lernte Kurt Kohlhage, der  1982 in die Firma eingetreten ist und sie 1989 komplett übernahm, seine Frau Britta kennen. Die studierte Betriebswirtin brachte frischen Wind in die Molkerei. Im Preiskampf mit  Billigprodukten hatte die Hüttenthaler Molkerei keine Chance, sie setzte auf den Qualitätsfaktor der regionalen Herkunft. Der Betrieb erhielt ein Logo und ein einheitliches Erscheinungbild, die Hüttenthaler Molkerei wurde zur Qualitätsmarke. Zwischen 1990 und 1996 wurde der gesamte Betrieb renoviert und modernisiert, wobei die Firmeninhaber stets vorsichtig entschieden und vorausschauen  planten.
1997 kauften sie in Frankreich eine moderne Anlage zur Herstellung von Weichkäse, in Deutschland werden derartige Maschinen für kleine Molkereien nicht mehr hergestellt. Ein der wichtigsten Innovationen erfolgte bereits 1993: Zu den Kuhmilchprodukten kam Ziegenkäse hinzu,  Ziegenfrischkäse, ein ungereifter Ziegenkäse ähnlich dem Feta, der Ziegenthaler, eine Art Münsterkäse sowie das Starprodukt, der Kräuterzickli. Die Ziegenmilch wird aus Lörbach bei Birkenau angeliefert. Dort haben sich zwei junge Landwirte durch die Zusammenarbeit mit der Hüttenthaler Molkerei auf Ziegenhaltung spezialisiert.
Auch Schnittkäse aus Ziegen- und Kuhmilch erweiterte das Sortiment, der neuste ist der Nibelungenkäse, der ausgesprochen gut bei den Verbrauchern angekommen ist. Auf diesem Sektor soll die Entwicklung weiter betrieben werden und möglicherweise ist auch Schafskäse irgendwann ein Thema, wobei derzeit im Odenwald noch keine Milchschafhaltung betrieben wird. Qualitätsmerkmale aller Produkt: Artgerechte Weidehaltung und Grünfütterung der Tiere und bei der Verarbeitung viel Handarbeit sowie keine hohe Erhitzung und keine Konservierungsstoffe, möglich durch kurze Wege vom Erzeuger zur Verarbeitung und zum Verbraucher. Der Verkauf erfolgt im eigenen Lädchen, im Raum Starkenburg-Odenwald-Bergstraße auf Märkten sowie auch im Einzelhandel.
Mit einem Auszahlungspreis von 65 Pfennig  pro Liter ist die Hüttenthaler Molkerei derzeit führend in Hessen. Davon profitieren die 20 überwiegend Mossautaler Milchlandwirte. Bedrohung kommt allerdings aus Rheinland-Pfalz, wo viele  Bauern aufhören und die Molkereien mit überhöhten Auszahlungspreisen nach Hessen einbrechen wollen. Im Gespräch ist zudem die ”Hessen-Molkerei”, ein Zusammenschluss der noch verbliebenen hessischen  Molkereien. Aber das kommt für die Hüttenthaler, die derzeit rund 20 Mitarbeiter beschäftigen, nicht in Frage. ”Wir bleiben selbstständig”, betonen Kurt und Britta Kohlhage überzeugend, ”wir wollen nicht expandieren, sondern unseren hohe Qualitätsstandard beibehalten”.
Mehr Infos auf eigener Seite:
www.molkerei-huettenthal.de.