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Erotische Malerei

“Womit haben diese Bilder zu tun, mit Philosophie oder Psychotherapie oder sind sie gar eine Gefahr fĂĽr die Gesellschaft?”, diese Frage stellte Ulrich Seidenberg, der Schöpfer der Exponate, selbst in den Raum. Wobei ihm egal sei, ob das Publikum seine Gemälde zur Kunst oder zu “sie wissen schon was ich meine”  erkläre.
Ulrich Seidenberg, Jahrgang 1926 und im Odenwald sowie weit darĂĽber hinaus seit Jahrzehnten als ElfenbeinkĂĽnstler bekannt, gab im  Sudhaus der Erbacher Brauerei sein “GemäldedebĂĽt”. Seit nunmehr 14 Jahren arbeitet er auch mit Pinsel und Palette, und das Ergebnis, 150 Ă–lgemälde, stellte er mit diesem eintägigen Vernissage-Happening  vor. Die auĂźergewöhnliche Kunst, die extravaganten Sujets, wie Hausherr und Gastgeber Franz Peter Wörner sie bezeichnete, weckten beim zahlreichen Publikum gemischt GefĂĽhle. Einigkeit bestand darin, dass das Können des KĂĽnstlers nicht im Geringsten angezweifelt wurde. “Malen kann er wirklich” fassten einige Gäste das ausgeprägte Form- und Farbverständnis Ulrich Seidenbergs zusammen, “aber die Motive – sowas kann man sich doch nicht an die Wand hängen”. Könnte man schon, allerdings wäre dann bei jedem Besuch – nicht nur der Schwiegermutter - fĂĽr ausreichend Diskussionsstoff gesorgt.
Ulrich Seidenbergs Ausstellung trug den Titel “150 Ă–lgemälde von Sodom” und ist fĂĽr ihn eine “Hommage an den weiblichen Körper”. So  zeigen seine groĂźflächigen Bilder ĂĽberwiegend Frauen, allerdings nicht als nĂĽchternen Akt, sondern in erotischen, teilweise skurrilen Situationen, die der Phantasie des Malers entspringen, aber nichts  mit sexueller Ausartung zu tun haben: Pralle Schenkel, ebensolche BrĂĽste, das Geschlecht keinesfalls schamhaft bedeckt, barocke Liebesfreude, unterstrichen von einem Hauch Ironie. Auf zahlreichen Bildern  war er selbst mit vertreten, auch zeigen einige Frauen die GesichtszĂĽge seiner eigenen Gattin. Kontrast bot ein Landschaftsbild aus OstpreuĂźen, der alte Schulweg Ulrich Seidenbergs.
Ausgesprochen gewagt erschien eine Serie unter den Titel “Pogrom”, die Schrecken der Nazizeit festgehalten in Szenen zwischen den mächtigen Männern und den misshandelten Frauen in den KZ, erzwungene Erotik zwischen Gaskammer und Stacheldraht, im Angesicht des Todes. Diese provokanten Bilder fanden beim Publikum erst nach den  Erläuterungen von Dr. Kyra Seidenberg, der Tochter des KĂĽnstlers, Verständnis. Sie lieĂź kurz die kĂĽnstlerische Laufbahn ihres Vaters Revue passieren. Seit 1946 beschäftigte er sich mit Kunst, zahlreiche Ausstellungen fĂĽhrten ihn mit seinen Elfenbeinschnitzereien in die ganze Welt. Aber bevor er nach den zweiten Weltkrieg in den Odenwald kam, erlebte er in seiner Heimat OstpreuĂźen die Schrecken der  Nazizeit mit, hautnah die BĂĽcher- und Gemäldeverbrennungen. Eine daraus resultierende Jugenddepression begleitete ihn sein Leben lang. Sein Aufbruch in einen neuen Teilbereich der Kunst, die Malerei, war  fĂĽr ihn somit auch ein wenig Therapie. Das Thema Erotik wählte er als einzigen SchlĂĽssel zur persönlichen Freiheit, die Leidenschaft als treibende Kraft.
Ein Opportunist war er nie, erklärte Tochter Kyra, und als solcher ist Ulrich Seidenberg auch nicht bekannt, eher als Einzelkämpfer, Individualist - und Provokateur im Sinne der Kunst, wie er mit dieser Ausstellung ein weiteres Mal bewies. Ein Gefahr fĂĽr die Gesellschaft sind diese Bilder gewiss nicht, aber Philosophie und  Psychotherapie tragen sie in sich – und ihre Präsentation bot dem Odenwald ein gesellschaftliches Ereignis mit reichlich Diskussionsstoff.