Erotik Kabinett
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Was Mönche unter ihrer Kutte verbergen

Erotische Kabinett-StĂŒckchen im MichelstĂ€dter Elfenbein-Museum

“Ist das der Raum fĂŒr Kinder?” fragt ein Ă€lterer Herr nicht ganz ernsthaft seine Begleiterin, und der Hausherr kontert schlagfertig “Nicht direkt, es geht mehr darum, wie Kinder gemacht werden!”. Bei diesem Raum handelt es sich zwar nicht um den grĂ¶ĂŸten, aber wohl um den unbekanntesten und interessantesten im gesamten Elfenbeinmuseum von Ulrich Seidenberg.Ein Schild an der TĂŒr weist darauf, dass der Besucher sich in diese  besondere Ausstellung freiwillig und auf eigene Verantwortung begibt - sobald er das Erotik-Kabinett betritt. 
Schaden fĂŒgt sich in diesem Zimmer  gewiss keiner zu, weder physisch noch psychisch - dazu haben selbst kleine Kinder heute schon zu viel gesehen. Pornografisches Shocking also Fehlanzeige, dafĂŒr aber jede Menge zum Schmunzeln. Feinste Kunstwerke des Elfenbeinschnitzer-Handwerks zeigen, was bei Mönchen unter der Kutte oder bei feinen Damen unter dem Reifrock so abgehen könnte. Ganz zauberhaft ein Schachspiel, laut seinem Schöpfer einmalig auf der Welt: Die schwarzen Figuren sind alle mĂ€nnlich, die weißen weiblich, jede Figur, selbst jeder Bauer und jede BĂ€uerin, sieht anders aus – gemeinsam haben sie ihre Nacktheit und den ĂŒppigen Körperbau. Allein die TĂŒrme durchbrechen diese RegelmĂ€ĂŸigkeit, sie sind alle vier dargestellt durch den mĂ€nnlichen Körperteil, der durch seine Form fĂŒr den Turm geradezu prĂ€destiniert ist. So manche langweilige Party könnte auch durch ein anderes Spiel  ungeheuren Aufwind bekommen: MĂ€nnliche und weibliche Figuren werden mittels WĂŒrfel in die abenteuerlichsten Positionen gebracht. In allen Lagen poppende PĂ€rchen - oder auch grĂ¶ĂŸere Gruppen - scheinen jede Menge Spaß zu haben. Klappschreine aus einem Elefantenzahn geben ihr erotisches Innenleben preis, ein aufschraubbarer Phallus könnte fĂŒr den Diamantschmuggel verwendet werden. Mit weiblichen und mĂ€nnlichen Attributen, manchmal auch etwas ĂŒberdimensioniert, sind SchlĂŒsselanhĂ€nger, Broschen, Flaschenkorken, Pfeifenstopfer und andere GebrauchsgegenstĂ€nde ausgestattet.
All diese erotischen Objekte aus Elfenbein und Horn hat Ulrich Seidenberg selbst geschaffen, nur vereinzelte kamen aus China, wie kleine FrĂŒchte einem aufregenden Innenleben.
Die Arbeiten stammen aus mehreren Jahrzehnten, aber erst 1993 richtete der Elfenbeinschnitzer-Meister und Goldschmied dieses kleine  Erotik-Kabinett ein. Sein privates Elfenbein-Museum in unmittelbarer NĂ€he des historischen MichelstĂ€dter Rathauses, in einem ebenso fast historischen alten Fachwerkhaus, grĂŒndete er schon 1976. Als Konkurrenz zum Deutschen Elfenbein-Museum in Erbach will er sich nicht sehen, sondern als ErgĂ€nzung (ein Erotik-Kabinett gibt es in Erbach nicht!).
Der gebĂŒrtige Ostpreuße kam nach dem Krieg als ZwanzigjĂ€hriger in den Odinwald und betrachtet diesen lĂ€ngst  als seine Heimat. Fasziniert vom Elfenbeinhandwerk erlernte er dieses bis zur Perfektion, und sein Museum  kann ohne weiteres als sein unvollendetes Lebenswerk bezeichnet werden. Noch heute schnitzt er fast  ausschließlich Elfenbein,  wovon allein im Odinwald noch unzĂ€hlige Tonnen AltbestĂ€nde vorhanden sind.
Auf der ganzen Welt hat Ulrich Seidenberg beratend und aktiv mit Elfenbeinschnitzern zusammen gearbeitet. Bezahlt wurde er oft in “Naturalien”, wunderschönen RaritĂ€ten in Elfenbein. All diese StĂŒcke sind im Museum zu sehen, wie die mit BlĂŒten-Rosetten besetzten TĂŒren aus einem Maharadscha-Palast, der wahrscheinlich grĂ¶ĂŸte aus einem StĂŒck gefertigte “Happy Buddha” der Welt, riesige Blumenkörbe aus China, Netsuke, ebenso zauberhafte wie wertvolle Miniaturen aus Japan und China oder die sogenannten Wunderkugeln, geschnitzte Elfenbeinkugeln, die wiederum bis zu 29 weitere geschnitzte Kugeln in sich haben. Unter diesen StĂŒcken aus dem fernen Osten sind auch wunderschöne erotische Motive. Sie stammen aus fernöstlichen Tempeln, vermutlich von irgendwelchen Mönchen mit regem Leben unter der Kutte geschnitzt.
SelbstverstĂ€ndlich machen Ulrich Seidenbergs eigene Kunstwerke den grĂ¶ĂŸten  Part der Ausstellung aus. Dazu gehören wertvolle GebrauchsgegenstĂ€nde wie Bestecke, BehĂ€lter, DekorationsstĂŒcke und ausgefallener Schmuck. Ebenso  die berĂŒhmte Rose, ob traditionell oder als eigenwilliges Gebilde wie die “Schwarze Rose”, die auf einem statischen Meisterwerk aus AbfallstĂŒcken erblĂŒht. Auch ein ganz besonderes GĂ€stebuch mit den Signaturen berĂŒhmter  Persönlichkeiten ist zu bewundern. Dazu wurde ein ganzer Zahn in millimeter dĂŒnne Platten geschnitten und zu einem FĂ€cher zusammengesetzt.
Aber nicht nur im Elfenbein-Handwerk hat Ulrich Seidenberg seine Berufung gefunden, seit zwölf Jahren malt er auch, und zwar ausschließlich erotische Motive. Zu sehen waren diese öffentlich  im September 2001 bei einer Ausstellung im Sudhaus der Erbacher Bauerei.
Hier ein kleiner Einblick. .